Ihre Gründung und Entwicklung bis heute

Freiwillige Feuerwehr Sinzheim von der Gründung am 12. November 1882 bis 1960

Unter Bürgermeister Wendelin Walter kam es am 12. November 1882 zur Gründungsversammlung, an der 103 Sinzheimer Männer teilnahmen und sich zur Gründung einer freiwilligen Feuerwehr entschlossen. Hierüber wurde ein sehr detailliertes Protokoll erstellt. Patrick Götz hat in der „ Bühler Heimatgeschichte” der Stadt Bühl 1993 über die Vorgeschichte berichtet: Die Konstituierung des „Badischen Landesfeuerwehr-Vereins” am 06. Dezember 1863 in Lahr löste eine weitere Welle weiterer Feuerwehrgründungen aus. Diese rasch um sich greifenden Entwicklung veranlasste wiederum den badischen Landesfeuerwehr-Verein bei der Großherzoglichen Regierung auf die Bildung einer Feuerwehrunterstützungkasse zu drängen. Die Mittel dieser Unterstützungskasse sollten vorzugsweise dazu verwendet werden, den Mitgliedern freiwilliger Feuerwehren oder deren Hinterbliebenen, die bei Ausübung des Dienstes eine körperliche Schädigung erlitten hatten, zu unterstützen. Diesem Ersuchen entsprach das Großherzogliche Ministerium des Innern am 01. Januar 1870, wodurch die Feuerwehrunterstützungskasse gebildet wurde. Es gab in Sinzheim auch vorher schon eine Feuerlöschmannschaft die gleich dem, noch Jahrzehnte weiter bestehenden Löschdienst, in den Ortsteilen entsprach. Dieser Löschdienst war unter der Ortsbehörde lose organisiert,wohl in verschiedene Mannschaftsabteilungen mit verschiedenen Funktionen eingeteilt aber ohne zwekkmäßige Ausbildung. Hinzu kam, dass dieser Dienst zwangsweise erfolgte und viele dieser Fron nur zögerlich oder gar nicht nachkamen. Die Androhung von Geld - und anderen Strafen war zwar ein Druckmittel für die Anwesenheit, förderte aber keineswegs die Motivation. Am 26. Dezember 1882 fand die konstituierende Versammlung statt. In dieser wurde die erarbeitete Satzung mit 28 Paragraphen durch Unterschrift der 100 anwesenden Feuerwehrmänner angenommen. Die um zwei Personen verringerte Zahl kommt daher, dass ein Mann inzwischen gestorben war, ein weiterer zu rückgetreten war. In dieser Versammlung wurde auch der erste Kommandant Anton Hillert Ratschreiber der 2. Kommandant und zugleich 1. Adjudant Rudolf Boos sowie der 2. Adjudant Anton Eckerle gewählt. Das neu gegründete Feuerwehrcorps setzte sich wie folgt zusammen: 3 Chargierte

Sowie drei Hauptabteilungen:

1. Hauptabteilung (Einreißer) 24 Mann

2. Hauptabteilung - Rettungsmannschaft 22 Mann

3. Hauptabteilung

a. Schlauchführer 8 Mann

b. Spritzenmannschaft

- an der großen Spritze 17 Mann

- zweite (neue) Spritze - 14 Mann

c.Wachmannschaft und Wasserträger 6 Mann (Darunter befand sich auch der Nachtwächter und Polizeidiener) Am 10. März 1883 erfolgt die Aufnahme in den Kreisverband der Feuerwehren im Kreis Baden, am 25. März 1883 in den Badischen Landesfeuerwehr- Verein. Damit verbunden war auch die Aufnahme in der Landesfeuerwehrunterstützungskasse. Am 19. März 1883 fand dann die erste Übung mit dem Hauptmann Haaf der Freiwilligen Feuerwehr Baden statt, dieser war der erste Ausbilder unserer Feuerwehr. Schon kurze Zeit später fand die erste Hauptübung am Rathaus statt. Bei der  „Ersten Generalversammlung” am 28. Mai 1884 wurde ihm ein bleibender Dank für seine vielen Mühen und Zeitaufwendung ausgesprochen. Im Protokoll dieser Generalversammlung sehen wir auch das erste Inventarverzeichnis dieser noch jungen Feuerwehr: Diese Gegenstände wurden von der Gemeinde zur Verfügung gestellt

· 2 große Fahrspritzen mit kleinen Handgeräten

· Sämtliche Schläuche

· Ein Mannschaftswagen

· 2 große Feuerleitern mit Transportwagen

· 2 alte Feuerleitern mit 1 Laufbrett

· 2 Hakenleitern

· 1 Anstellleiter

· 1 Steigbock zum Zusammenlegen mit Leiter oder Gabel 

· 104 Messinghelme

· 111 Gurte

· 54 Beile mit Beiltaschen

· 3 Äxte mit Futteral

· 2 Bickel

· 4 Schaufeln

· 40 Steigerleinen mit 80 Stück Karabinerhaken

· 10 Steigerlaternen

· 5 Schlauchhalter

· 3 Signalhörner

· 12 Huppen

· 10 Schrillpfeifen u. 4 Paar Lederhandschuh

„ Zu Dankenwerter Weise hatte sich der Gemeinderath die Aufgabe gestellt in der Wahl der Anschaffung dieser Ausrüstungsgegenstände nur solide und dauerhafte Waren zu beziehen. Hierfür ist das Corps dem Gemeinderath zum Dank verpflichtet. „Gleich nach Empfang der von der Gemeinde gelieferten Ausrüstungen wurde noch im Monat März mit den Vorübungen in den einzelnen Abteilungen begonnen und darin fleißig fortzufahren. In dieser Versammlung wurde auch mitgeteilt, dass die Aufnahme in die Feuerwehrunterstützungskasse erfolgt ist. „Wenn nun die Feuerwehr bis jetzt noch keine Bestimmungen getroffen hat nach welche diese und andere Kosten bestritten werden sollen, so wird wohl nicht mehr lange die Einführung eines kleinen Monatlichen Beitrages zur Gründung einer Corpskasse verschoben werden dürfen. Das Protokoll enthält weiter. „Es werden deshalb noch in der heutigen Versammlung von dem Verwaltungsrath Vorschläge gemacht werden wozu der selbe durch Beschluss der Generalversammlung vom 08. November des vergangenen Jahres beauftragt wurde. Als Beitrag hat das Corps ohne Rücksicht auf die Mitgliederzahl jährlich 6 Reichsmark an die Feuerwehrunterstützungskasse zu entrichten. Der Tagesverdienst eines Handwerkers betrug etwa 3 Reichsmark, der eines Tagelöhners lag deutlich darunter. Ein Laib Brot (6 Pfund) und 1 Pfund Schweinefleisch sowie vier Eier kosteten 1,54 Reichsmark. Der Personalbestand des Corps betrug 100 Männer. Gegenüber der Gründung (103) sind: ausgeschieden durch Tod 1 durch Ausstoßung 1durch Verz. 4 hinzugekommen sind: 3 Männer ergibt die oben angegebenen 100 Feuerwehrmänner. Das Protokoll wurde ergänzt : Somit Stand auf den 1. Mai diesen Jahres: 99 Mann Am Sonntag 13. Juni 1884 nachmittags 2 Uhr fand im ”Rathhause” in Sinzheim die Sitzung der Delegierten der Feuerwehren des Kreis Baden statt. Dies war eine Ehre für die noch junge Feuerwehr. Das Einladungsschreiben endet mit einer fetten schwarzen Zeile: „ Man erscheint nicht in Uniform. „Am 27.Juli 1884 teilt der Kommandant Anton Hillert dem Großherzoglichen Bezirksamt Baden die Personalstärke der Feuerwehr Sinzheim mit: Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr: 100 Daneben ist noch eine Hilfsmannschaft beigegeben in der Stärke von 75 Männer. Im Jahre 1885 scheint es Probleme in der Feuerwehr Sinzheim gegeben zu haben- das Archiv verzeichnet 10 Austritte in schriftlicher Form. Bei zweien meldet der Obmann der Spritze No I, Wilhelm Zaum , in einem Begleitschreiben „beide ohne Grund - schriftliche Abmeldung liegt bei”. Leider gibt es kein Archivmaterial zu diesem denkwürdigen Verhalten. Am 08. Juni 1886 muss der Polizeidiener Huck ein Schreiben des Kommandanten Hillert, gegen Bescheinigung, an den Feuerwehrmann Ludwig Ernst zustellen. Was darin stand wissen wir nicht - der Polzeidiener hat es am 08. Juni 1886 zugestellt. In einem undatierten Schreiben an den Verwaltungsausschuss läd der Kommandant diesen auf „heute Abend 8 Uhr „ in das Rathaus ein. Hierbei gab es drei Beratungsgegenstände:

1. Aufnahme des August Gushurst, Litzlung als Mitglied in der Feuerwehr

2.Der Antrag des Simon Vogel von hier auf Rücktritt aus der Feuerwehr

3.das Ausbleiben von verschiedenen Feuerwehrmännern bei den unlängst stattgefundenen Spezial u. Hauptproben Der II. Adjutant Johann Linzig zeigt dem Verwaltungsrath an, dass am 23. September 1890 sich drei Männer zur Aufnahme in das Corps gemeldet haben:

1. Karl Alzenberger, Maurer

2. Franz Xaver Schneider, Landwirt

3.Wilhelm Seiler, Schneider

Leider schweigt das Archiv der Feuerwehr ab jetzt über zwei Jahrzehnte. Zumindest sind die Unterlagen im Bestand der Feuerwehr nicht vorhanden. Interessant ist die Tatsache, dass die Unterlagen zum 25-jährigen Gründungsfest vollständig(?) erhalten sind. Dieses Fest fand vom 04.-06. Juli 1908 statt

Dieses Fest war für die noch junge Feuerwehr ein großer Erfolg. Im Rahmen dieses Stiftungsfestes erhielt die Feuerwehr Sinzheim ihre erste Fahne. Diese wurde von Sinzheimer Frauen gestiftet. Die Weihe und Übergabe der Fahne fand am 05. Juli 1908 statt. Diese ist heute eines der schönsten Traditionsstücke, über die die Feuerwehr verfügt. Mit größter Wahrscheinlichkeit wurde die Fahne nach dem Einmarsch der französischen Streitkräfte in Sicherheit gebracht. Die ebenfalls im Rathaus aufbewahrte Fahne des Krieger - bzw. Veteranenvereins wurde dort „erbeutet” und tauchte kurz in einer Auktion 1988 in Paris auf. Da sie die ersten fast neun Jahrzehnte nicht ganz unbeschadet überstanden hatte, wurde sie in der Mitte der neunziger Jahre in der Karlsruher Fahnenfabrik vollständig renoviert. Bei diesem Fest wurde eine große Anzahl von Feuerwehrmännern geehrt, darunter insbesondere die Gründungsmitglieder. Danach schweigt das Archiv nochmals für fünf Jahre um dann aber vollständig (nach heutiger Beurteilung) archiviert zu sein, bis in heutige Tage. Auch die Jahre von 1940- 1948 sind soweit nachvollziehbar, vollständig erhalten. Viele Archive weisen hier beträchtliche Lücken auf, indem Vorgänge und Geschehnisse nicht protokolliert wurden oder aber Dokumente und Unterlagen absichtlich in diesen Jahren entfernt wurden. 1913 finden wir dann auch ein Protokoll über die am 09. April 1913 stattgefundene Generalversammlung. In dieser werden die Statuten geändert, insbesondere was den Verwaltungsrath betrifft. So gehört diesem ab jetzt der jeweilige Bürgermeister von Sinzheim an. Am 13. April 1913 hat der Kommandant Anton Hillert eine handschriftliche Liste erstellt, die Namen und Zugehörigkeit von Feuerwehrmännern umfasst, die sich aus der Wehr abgemeldet haben.

· 1. Rettungsmannschaft 1 Mann, ein weiterer will zur Wachmannschaft

· Einreißmannschaft 6 Mann, auch hier will ein Mann zur Wachmannschaft

· Spritze I keiner - Spritze II 5 Mann, auch hier will ein Mann zur Wachmannschaft

· Schlauchwagen I - keiner -

· Schlauchwagen II - keiner -

· Wachmannschaft 4 Mann

Darunter sind auch ältere Kameraden, die den leichteren Dienst in der Wachmannschaft wünschen und dies zum Teil auch schriftlich ausführlich begründen. Ohne Datum, wohl aber diesem Jahr zuzuordnen sind 2 vom Kommandanten Hillert angelegte Listen, in denen insgesamt 33 Männer neu in die Wehr aufgenommen werden. Darunter befindet sich auch der spätere Kommandant Martin Hillert, hier ist vermerkt, dass er der Hydrantenmannschaft zugeteilt werden möchte. Am 15. April 1914 wird der Wagnermeister Anton Rudolphi zur Verleihung des Ehrenzeichens für 25 Jahre treue Dienste in der freiwilligen Feuerwehr eingereicht. Dieses Ehrenzeichen wird ihm vom Großherzoglichen Amtsvorstand Freudenberg am Donnerstag 09. Juli 1914 vormittags 9 Uhr im Saal des Schulhauses in Oos überreicht. Im Jahre 1915 wurden auf Grund eines Schreibens des Bad. Ministerium d. Innern keine Ehrenzeichen vergeben. Der Anlass kam direkt aus dem badischen Fürstenhaus. An die Großherzoglichen Amtsvorstände: Seine Köngliche Hoheit der Großherzog haben gnädigst auszusprechen geruht, das von Unterbreitung von Vorschlägen auf Verleihung der Ehrenzeichen für 25 und 40 jährige treue Dienste bei der freiwilligen Feuerwehr anlässlich des diesjährigen Allerhöchsten Geburtsfestes abzusehen sei. Abschrift zu Kenntnisnahme an die Feuerwehren! Großh. Bezirksamt Baden 03. April 1915 Am 24. März 1915 teilt der Schlossermeister Anton Schmidt auf einem schwarzumrandeten Schreiben dem Kommandanten den „Heldentod” seines gleichnamigen Sohnes mit. Dieser ist am 03. März 1915 auf der Lorettohöhe in Nordfrankreich gefallen. Aus dem tiefbewegten Schreiben des Kommandanten an den Vater können wir entnehmen, dass der Sohn vermutlich ebenfalls Schlosser war und sich sehr um die Pflege der Geräte bemühte. Ob noch weitere Kameraden der Feuerwehr in diesem Krieg ihr Leben verloren haben, ist aus dem Archivmaterial nicht zu entnehmen. Ist jedoch sehr wahrscheinlich. Am 02. Feb. 1918 teilt der Kommandant Anton Hillert dem „Vorsitzenden des Feststellungsausschusses beim stellv. Generalkommando Reserve XIV Armee - Korps in Karlsruhe „die Personalstärke mit: 6 Offiziere und 29 Wehrmänner des weiteren zählt die Wehr noch 2 Offiziere und 6 Wehrmänner, welche über 60 Jahre alt sind. Der Rest mit 89 Wehrmännern steht im Felde” Von den 29 Hilfsdienstpflichten Wehrmännern (29) sind 6 außerhalb der Wohngemeinde beschäftigt, so dass die verbleibenden 23 Wehrmänner vollauf zur Bewältigung eines Brandes benötigt sind. Diese 29 Männer sind handschriftlich vom Kommandanten erfasst. Es wäre aus heutiger Sicht eine ganz besondere Gnade gewesen, wenn diese 89 Männer, die sich im Februar 1918 im Kriegseinsatz befanden alle wieder wohlbehalten nach Kriegsende den Weg nach Hause angetreten hätten. 1.733.700 Deutsche Soldaten sind in den Kampfhandlungen, an ihren Verwundungen und Erkrankungen in diesem Kriege verstorben – dies bedeutet, dass jeder sechste Soldat die Heimat nicht wieder sah. Auf einer undatierten und handschriftlichen Notiz auf der Rückseite einer in anderen Zusammenhang stehen Personalaufstellung steht: gefallen auf dem Felde der Ehre 8 Kameraden! Diese Notiz befindet sich in den Unterlagen des Jahres 19 37. Am 18. Mai 1919 bestellt der inzwischen zum Adjutanten aufgerückte Martin Hillert einen vergoldeten Badischen Feuerwehr-Offiziershelm bei der Fa. Müller & Co in Offenbach a.Main. Am 06. Juni 1919 vermerkt der Auftraggeber, dass der Helm trotz des bezahlten Betrages von 45 RM noch nicht geliefert ist. Unterschrieben ist der handschriftliche Vermerk mit M. Hillert 2. Kommandant. In einem weiteren handschriftlich angelegten Schreiben „ Besetzung des Kommandos der Freiwilligen Feuerwehr Sinzheim betreffend” entnehmen wir, dass der Kommandant Anton Hillert am 19. Mai 1919 verstorben ist. Zu seinem Nachfolger hatte die Generalversammlung am 31. Mai 1919 seinem bisherigen Stellvertreter (seid 1890) Bürgermeister Franz Lorenz gewählt. Anton Hillert führte als Kommandant von Dezember 1882 bis zu seinem Tode im Mai 1919 die Feuerwehr Sinzheim also rund 36 Jahre. Hier muss berücksichtigt werden, dass es eine Altersgrenze wie heute, damals noch nicht gab. Anton Hillert war zu dieser Zeit schon einige Jahre in Pension und im Trauerschreiben der Familie an das Kommando schreiben diese: Trotz seines hohen Alters und obgleich ihn die physischen Kräfte fast verließen, hat sich der liebe Verblichene aus Liebe zur Feuerwehrsache auch dieses Frühjahr wieder zur Verfügung gestellt. Leider hat der Tod seinem Wollen ein Ziel gesetzt,was die Feuerwehr mit uns Angehörigen zusammen schwer betrauert. Aus einem Rapport vom 20. April 1920 entnehmen wir den Stand der Sinzheimer Feuerwehr:

a. Aktivmitglieder: 136

b. Hilfsmannschaft: 170

Name und Stand des Kommandanten: Franz Lorenz Bürgermeister

Name und Stand des Kdt. Stellvertreters: Martin Hillert Darlehenskassenrechner

In vorangegangenen Festschriften der Feuerwehr Sinzheim wurde dies so nicht erkannt und statt dessen ein anderer Name geführt. Martin Hillert war der Sohn des verstorbenen Kommandanten Anton Hillert. Ab 20. November 1920 können auch Ehrenzeichen wieder verliehen werden. Diese Ehrenzeichen werden künftig am 21. März eines jeden Jahres aus Anlass der Annahme der Badischen Verfassung durch die Nationalversammlung übergeben. Für 1921 werden Johann Deißler (55) Kaufmann und Josef Manz (57) Fabrikarbeiter für 25 Jahre vorgeschlagen. Für 12 Jahre werden 25 Männer mit der Feuerwehr - Medallie der Gemeinde ausgezeichnet. 1921 erbt die Feuerwehr aus dem Nachlass der verstorbenen Emma Bastian 100 Reichsmark, die vom Kommandanten Bürgermeister Lorenz dankend angenommen werden. Nach drei Jahren als Kommandant und 29 Jahre als Stellvertreter des Kommandanten tritt Franz Lorenz 1922 im Alter von 65 Jahren von seinem Amt zurück. Das Amt des Bürgermeisters hatte er bereits 1921 abgegeben. Zu seinem Nachfolger wird der bisherige 2. Kommandant Martin Hillert und zu dessen Stellvertreter Josef Boos gewählt. 1923 findet die Generalversammlung nach der Frühjahrshauptprobe am 10. Mai im Hirsch statt, anschließend die Generalversammlung. Hier wurde von einem Mitglied angeregt ein oder zwei Rauchhelme oder Gasmasken anzuschaffen. Dies wurde an den wohllöblichen Gemeinderat weitergeleitet, um eine oder zwei solcher Schutzmasken anzuschaffen. Die Inflation 1923 hat den Bestand der Sterbekasse vernichtet und die Generalversammlung 1924 beschloss, diese nicht wieder aufzubauen. In diesem Jahr liegt erstmals eine ausführliche Regieanweisung vor, wie die Jahreshauptübung abzulaufen hat. Neu ist auch eine „Meldung über die Handhabung des elektrischen Ortsnetzes im Falle eines Brandes” des damaligen Lichtmeisters Wilhelm Herzog. Am Neujahrstag 1925 veranstaltet die Feuerwehr Sinzheim eine Weihnachtsfeier mit Christbaum und Gabenverlosung im Gasthaus Hirsch. Hierfür wird um die Verlängerung der Polizeistunde bis 2 Uhr gebeten (und auch genehmigt). Hier wird nachweislich auch erstmals Theater gespielt, das erste Stück heißt „Ein Reinfall am Weihnachtsabend” das zweite Stück „Die Krone des Hauses” Beim Antrag auf Befreiung von der Verlosungssteuer wird betont, dass nur die Mitglieder und die allernächsten Angehörigen Zutritt erhalten. Es ergeht an die Mitglieder eine sehr schöne gedruckte Einladung! Diese 200 Exemplare kosten 8.-Reichsmark, die bei Pius Faber gekauften Lose und Nieten 10.- RM. Den Ausgaben von 248,84 RM stehen Einnahmen von 398,60 RM gegenüber. Jeglicher Aus- und Einnahmebeleg ist vorhanden. Der Rapport für 1925

a. Aktivmitglieder: 164

b. Hilfsmannschaft: 208

a. Name und Stand des Kommandanten: Martin Hillert Bankvorstand

b. Name und Stand des Kommand. Stellvertreters:

Josef Boos Landwirt Die Generalversammlung 1925 findet am 07. Mai im Gasthaus Sternen nach der Frühjahrübung statt. Es findet die Wahl des Kommandanten sowie der Führer und Stellvertreter statt. (Keine Wahlunterlagen vorhanden). Unter dem fünften Punkt der Versammlung – Verschiedenes - hat der Kommandant handschriftlich hinzugefügt „Elektrizität”. Die Rechnung des Gasthauses zum Sternen Besitzer Adolf Wiedemann beläuft sich auf 296 Liter Bier a. 50 Pfennig = 148 Reichsmark! In einem offiziellen Schreiben des Kommandanten vom 30. Mai 1925 lesen wir, dass der Vereinsdiener beauftragt wurde langjährigen Feuerwehr-Mitglieder für je 10 Jahre Dienst ein gelb-rot- gelbes Bändchen auszuhändigen. Das Band ist auf dem linken Unter-Ärmel aufzunähen. (Für 40 Jahre 4 Mann, für 30 Jahre 3 Mann, für 20 Jahre 8 Männer und für 10 Jahre 20 Mann). 1926 finden wir als erstes ein Schaltungsschema des Ortsnetzes (Strom) mit zwei Umspannstationen eine in der Kartunger Straße (heute Fa. Hans Walter) und die zweite am anderen Ende bei der „Brauerei”. Einen Rapportschein gibt es auch wieder mit den gleichen Angaben wie im Jahr zuvor nur, dass die Hilfsmannschaft jetzt 190 Mann beträgt. Bei einem Brand am 27. April verunglückt der Feuerwehrmann Karl Eller - Sturz von einer Treppe. Dr. Josef Fischer fertigt einen Bericht an, aus dem hervorgeht  dass die Verletzungen das Ellenbogen- und Schultergelenk betrafen. Es wird allmählich eine Besserung eintreten, so der Arzt! Worüber sich ein längerer Schriftwechsel ergibt. Dieser endet mit der einmaligen Zahlung von 410,50 Reichsmark aus der Landesfeuerwehr Unterstützungskasse. Generalversammlung gibt es auch wieder nach der Frühjahrsübung am 29. April im Gasthaus zum Hirschen. Sieben Feuerwehrmänner werden vom Landrat des Bezirksamtes Bühl für 25 und 40 Jahre aktiven Dienst geehrt. „An den Wohllöblichen Gemeinderat Sinzheim „ Lautet ein Schreiben des Verwaltungsrats und des Kommandanten vom 11. Mai 1926. Es sind durch die letzten Übungen und die Führerkurse verschiedene Mängel und Rückständigkeiten zu Tage getreten.

a. Das Dach am Steighaus ist durch Verwitterung derart schadhaft geworden, dass dasselbe in diesem Zustand nicht mehr benützt werden kann.

b. Mehrere kleinere Leitern können durch Wurmbefall, nicht mehr benutzt werden. Auch die großen Leitern müssen einer Prüfung unterzogen werden.

c. Bei der roten Spritze I ist das Pumpwerk und die Hahnen nachzusehen.

d. Die grüne Spritze sollte im Laufe der nächsten Jahre einer Motorspritze, wie sie in Niederbühl und Ottersweier bereits eingeführt sind, Platz machen. Diese Spritze hat bei der letzten Übung versagt und wurde von Spritzenmeister Seifermann gründlich nachgesehen, so dass sie noch einige Jahre in Gebrauch bleiben kann.

e. Die vorhanden imprägnierten Schläuche haben sich nicht als dauerhaft erwiesen. Es sind keine

Reserveschläuche mehr vorhanden. Es werden weiterhin Schlauchhaken und Dichtungen benötigt.

f. Probleme mit dem Trocknen der Schläuche

g. Die Zweihakenleitern sind veraltet, es sollte die Anschaffung von Berliner Hakenleitern ins Auge gefasst werden.

h. Der gesteigerte Verkehr auf der Landstraße ist für die Vorname von Übungen beim jetzigen Steighaus ein grosses Hindernis. Es wird ersucht die Verlegung des Steigturmes an einen anderen Standort in Erwägung zu ziehen.

i. auch die Anschaffung von 30-40 Drillichhosen lässt sich nicht mehr lange aufschieben. Der Anschaffung der bereits 1914 zu Anschaffung angedachten mechanischen Schiebeleiter sollte sofort näher getreten werden. Im Dezember 1926 bittet ein Feuerwehrmann auf Grund seiner Kriegsverletzung und der damit verbunden Behinderung aus dem aktiven Dienst austreten zu dürfen. Möchte aber passives Mitglied werden. Dies tut zu den Weihnachtstagen ein weiterer Feuerwehrmann, einen weiteren Übertritt zu den passiven Mitgliedern beantragt eine Frau für ihren Gatten. Das Jahr 1927 meldet als erstes Ereignis den Familienabend der Feuerwehr der am 13. Februar 1927 wiederum im Gasthaus Hirsch stattfand. Nach dem Prolog „ Schwur der Feuerwehr” und der Begrüßungsansprache durch den Kommandanten, erfolgte die Einführung der Feuerwehrkapelle unter dem Musikmeister Steibing. Im Mittelpunkt dieser Veranstaltung stand die Ehrung des früheren Kommandanten und Altbürgermeisters Franz Lorenz zum:

Ehrenkommandanten

Von seiner über vierzigjährigen Dienstzeit stand er 32 Jahre an führender Stelle der Wehr sowohl als Kommandant wie Stellvertreter. Er ist somit der erste Ehrenkommandant unserer Wehr, zwei weitere werden ihm noch folgen, denen diese seltene und hohe Ehrung zuteil wurde. In der Generalversammlung am 12. März 1927 findet im Saale des Gasthaus zum „Sternen” statt. Hier wird die erneute Einführung einer Sterbekasse beschlossen sowie die Modalitäten für ihr Aufkommen. Erstmals nach 1882 werden die Statuten der Feuerwehr geändert. Der Vereins-Stempel ist durch die politische gewollte Zugehörigkeit zum Bezirk Bühl veraltet und es wird ein neuer beantragt der das Gemeindewappen im innern tragen soll. In der Zeit von 03.-08. Mai 1927 finden über mehrere Tage jeden Abend 6 1/4 Uhr Übungen statt. Am Sonntag, den 08. Mai 1/2 3 Uhr war dann die Hauptübung der ganzen Wehr. An den Amtsbezirk Bühl geht ein Rapport (Vordruck) zum 01.04 1927

a. Aktivmitglieder: 162

b. Hilfsmannschaft: 175

Name u. Stand d. Kdt. Martin Hillert Bankvorstand Name u. Stand d. Kdt. Stellvertr. Josef Boos Landwirt In den Archivbeständen dieses Jahres befindet sich auch eine Pressebericht der rot markiert wurde. Hier geht es um die Beschaffung einer Motorspritze für die erst kurze Zeit bestehende Feuerwehr Ottersweier. Sicher war dies auch für die Sinzheimer ein Thema, allerdings war dies zu dieser Zeit schon eine große finanzielle Herausforderung an die Gemeinde. Für die Jahre 1928 und 1929 sind keine verwertbaren Archivunterlagen vorhanden, lediglich einige unbedeutende Schreiben und Einladungen zu Feuerwehrfesten. In einem Schreiben wurde die Zahl der Aktiven zum 31.12.1929  mit 157 notiert. Zum 1. April 1930 wird ein Feuerwehrmann aus dem Dienst entlassen, da er die letztjährigen Beiträge nicht bezahlt hatte und sein Strafregister mehrere Einträge aufweist, die ein Feuerwehrmann nicht haben darf. Die Generalversammlung findet am 5. Mai 1930 wiederum im Hirschen statt. Der dem Amtsbezirk zugesandte Rapport gibt

a. Aktivmitglieder: 153

b. Hilfsmannschaft: 175 an. Die Führung ist personell unverändert. Eine Personalliste des Kommandanten datiert vom 06.08.1930 und enthält einige mit Bleistift geschriebene Anmerkungen zu den Wehrmännern. Bei einigen sind es Angaben zum Arbeitsplatz auswärts, bei anderen die Verlässlichkeit, bei einem ist angemerkt „ fehlt ein Auge” bei zwei anderen steht „ Viel Durst” bei einem weiteren hat „immer Durst”. Herb ist die Bemerkung bei einem weiteren „hört nicht gut und taugt nicht mehr”. Aus beruflichem Grund, überwiegend aber aus gesundheitlichen Gründen melden sich im August 1930, 24 Mann aus der Feuerwehr ab. Meist sind es gesundheitliche Gründe, die vielfach mit ärztlichen Attesten belegt sind, aber auch einige Probenschwänzer. Im gleichen Zeitraum erfolgen auch schon Neuaufnahmen in die Wehr. Bei Vorlage eines ärztlichen Zeugnisses, das die Dienstunfähigkeit belegt, kann die Übernahme in die inaktive Wehr erfolgen, was von den meisten gewünscht wird. Im August wird bei Carl Metz Feuerwehrgerätefabrik eine zweiteilige mechanische Leiter mit 14 m Steighöhe zum Preis von 2410 Reichsmark bestellt. Diese wird am 30.9.30 geliefert. Gleichzeitig wird eine Metz Kleinmotorfeuerspritze bestehend aus Breuer-Motor mit Metz-Pumpe

No. 285/ 400 l geliefert. Damit begann die Motorisierung der Feuerwehr Sinzheim. Dies war eine sowohl tragbare wie auch fahrbare Spritze zu der gleich zweckmäßigerweise der Transportwagen (Lafette) gekauft wurde. Diese Pumpe wie auch die 180 m B-und 120 m C- Schläuche sowie das ganze Zubehör wurden mit der Storzkupplung erworben. (Reichsnormalkupplung - noch war die Grether-Kupplung in der Diskussion). Dazu wurden noch mehrere Leitern sowie ein Schlauchwagen gekauft. Die Bemängelung des Gerätebestandes im Jahr 1926 brauchte somit vier Jahre bis zu seiner Korrektur. Die nicht mehr benötigten Leitern, wie auch die alte Pumpe, werden am Montag 30.10.1930 vor dem Feuerwehrgerätehaus versteigert - im Sinzheimer Anzeiger wird dies fünf Tage zuvor öffentlich ausgeschrieben. Im Dezember 30 wurde dann noch eine Segeltuchdecke für den Schutz der Spritze bestellt sowie ein Scheinwerfer mit Stativ. Der Scheinwerfer, Typ Pionier, mit Benzinbetrieb, hatte eine Leuchtkraft von 3000 Kerzen. Eine Füllung mit 1 Liter Benzin reichte für 10 Stunden (?). Die Pumpe mit ihrem Zubehör und den Schläuchen kosteten 4.010,25 RM.Wobei diese Kosten von der Gebäudeversicherung übernommen wurden. Eine gedruckte Einladung kündet vom Herbst-Konzert des Musikkorps der Freiwilligen Feuerwehr Sinzheim. Das am Sonntag den 12. Oktober 1930 im Saale des Gasthauses zum „Goldenen Ochsen” stattfand. Die Einladung ging an alle Musikfreunde unserer Gemeinde insbesondere aber an die Kameraden der Feuerwehr mit ihren Angehörigen. Eintrittspreis 50 Reichpfennig. „Während des Konzerts kein Trinkzwang” lautet der Schlusssatz. Nach einer handschriftlichen Aufzeichnung des Kommandanten sind zum 31.10.1930, 128 Aktive, 22 Musiker, 34 Inaktive und sieben Ehrenmitglieder. Am Dienstag den 02. Dezember 1930 findet im Gasthaus „Zum Sternen” die Generalversammlung statt. Die Einladung ist gedruckt! Im Rahmen dieser Generalversammlung werden:

Josef Marbach Landwirt

Martin Walter Landwirt

Melchior Walter Landwirt, Steinbach

August Gushurst, Landwirt

Gustav Zoller, Landwirt

zu Ehrenmitgliedern ernannt. Hierfür werden beim Druckhaus Kölblin in Baden-Baden Ehrenurkunden gedruckt. Die Feuerwehr führte danach sieben Ehrenmitglieder in ihren Reihen, ein weiteres Ehren- und Gründungsmitglied der Wehr ist Jakob Ganter (verst. 1931). Wer das siebte Ehrenmitglied ist ?????? Bei dieser Generalversammlung wurden Kommandant und Stellvertreter wiedergewählt. Ebenso die drei Adjutanten Valentin Walter, Karl Nesselhauf und Rudolf Walter. Gedruckt (Kölblin ?) gibt es einen detailierten Übungsplan. Bemerkenswert: 27.11.30 Signalprobe unter Mitwirkung sämtlicher Hornisten abends 7.30. In der Wohnung des 1. Kommandanten Unterricht für die 11 neu eingetretenen Feuerwehrleute Anzug: Zivil. Am 01. Dezember 30 gibt es Meldung von Musikmeister Steibing wer von den Musikern bei der Spätjahrsübung gefehlt hat. Die Generalversammlung 1931 fand am 28. Mai 1931 im Gasthaus „Zum Ochsen” statt. Am 23.5.31 bedankt sich der Kommandant für die Erneuerung und Modernisierung der Lösch-Einrichtungen und spricht seinen großen Dank aus. Gleichzeitig spricht er die Einladung an den Gemeinderat aus der nächsten Hauptübung beizuwohnen. Erwähnenswert ist die Teilnahme der Feuerwehr Sinzheim am 10-jährigen Stiftungsfest in Weitenung am 17. Mai 1931, hierbei stellten die Sinzheimer mit über einhundert Teilnehmer die stärkste Wehr. Auf Grund der wirtschaftlichen Lage wurde der Maschinistenkurs abgesagt. Zum Jahresende 1931, 128 Aktive, 22 Musiker, 36 Inaktive und 7 Ehrenmitglieder = 193 Für 1932 meldet die Feuerwehr Sinzheim einen Feuerwehrmann für 40 Jahre und sechs Männer für 25 Jahre treue Dienste an das Bezirksamt sowie 29 Feuerwehrmänner für 12 Jahre an die Gemeinde. Der Rapport vom 17. April 1932 meldet:

a. 123 Aktivmiglieder

b. 165 Hilfsmannschaft geführt von den gleichen Personen wie zuvor. Am Freitag 06. Mai 1932 findet nach einer Vorübung am Steighaus die Generalversammlung statt. Tagesordnungspunkte sind der Geschäfts- und Rechenschaftsbericht sowie, auch heute noch unvermeidlich, Wünsche und Anträge. Mit dem Lichtmeister Wilhelm Herzog gibt es Ärger weil dieser an den Übungen am 6. u. 8. Mai nicht teilgenommen hatte und sich in verächtlicherweise über den Verwaltungsrat ausgelassen hatte. Zum 02. Juli gibt es zwei Schreiben a. Den Ausschluß des Feuerwehrmannes Herzog und b. das Schreiben des Wilhelm Herzog in dem dieser den Austritt erklärt. Schwer zu werten welches als erstes zu gelten hat.. Der Brief an den Wilhelm Herzog befand sich bis jetzt noch ungeöffnet in den FW-Akten - dieser hat die Annahme vom Vereinsdiener verweigert. Dies wurde auf der Rückseite des Kuverts vermerkt. Der Deutsche Feuerwehrtag wird in der Badischen Hauptstadt am 07. August 1932 begangen. 65 Sinzheimer Feuerwehrmänner darunter 21 Musiker nehmen daran mit der Fahne teil. (Auch hier liegen die verschiedenen  Anmeldelisten der einzelnen Abteilungen vor). Die Sinzheimer bekommen das Gasthaus Kaiserhof als Standquartier zugewiesen. Auf der mitgebrachten Speisekarte kann man erkennen, dass es fünf Kategorien von Mittagessen gab, die Preise liegen zwischen 0,60 und 1,80 Reichsmark. Eine Schlachtplatte kostete 0,70 RM, Wildscheinrücken in Burgundersauce m. Spätzle 1,30 RM das teuerste Menu ist die Kaiserhofplatte für 1,60 RM -Mahlzeit anno damals - Die Fahrkarten der Reichsbahn werden vom Corps übernommen.

   Feuerwehr

Links hinter der Fahne der 2. Kommandant Josef Boos und danaben der damalige Kommandant Martin Hillert – beide an den Helmen erkennbar. Ein aktenreiches Jahr dieses 1933 - und ein arbeitsreiches Jahr denn das 50- jährige Stiftungsfest wird gefeiert.Wesendliche Abläufe werden in den Verwaltungsratssitzung am 26.2.33 festgelegt . Zu dieser Zeit wurde oder musste noch nicht längerfristig geplant werden. Bei dieser Sitzung wurden auch 12 Mann

   Musikkorps

neu aufgenommen. Handschriftlich hat der Kommandant noch hinzugefügt: Fahne muss ausgebessert werden! In dem unvermeidlichen Rapport an den Amtsbezirk meldet der Kommandant:

a. Aktivmitglieder: 119

b. Hilfsmannschaft: 160

Drei aktive Mitglieder waren im ersten Quartal 33 verstorben. Am Sonntag den 30. April 1933 findet im Hirschen die Generalversammlung statt. Anzug: Zivil; die Musik in Tuchrock und Mütze Hauptthema: Fest. Zehn Wehrmänner werden dem Amtsbezirk zur Ehrung für 25 Jahre treue Dienste vorgeschlagen. Das 50- jährige Stiftungsfest fand in der Zeit vom 10.-12. Juni 1953 statt. Leider wurde dieses Fest durch das anhaltende schlechte Wetter schwer beeinträchtigt. In einem Schreiben teilt der Kommandant mit, dass das Fest durch das schlechte Wetter bedingt in den Gasthäusern von Sinzheim weitergeführt werden musste. Der Festplatz war durch starken Regen unbegehbar geworden, die Übungen und der Festzug wurden durch den wolkenbruchartigen Regen undurchführbar. Der Festzug wurde in kleinerem Rahmen am nächsten Sonntag nachgeholt. Durch die getätigten Ausgaben, denen fast keine Einnahmen gegenüberstanden wurde die Wehr genötigt sich an die Gewerbetreibenden, den Einzelhandel an die Bäcker, Metzger und Gastwirte zu wenden, um von diesen finanzielle Unterstützung zu erhalten. Am 16. Juni 1933 gab es nochmals eine Einladung, um die Übungen und den Festzug nachzuholen. Aber auch hier war St. Petrus den Sinzheimern nicht hold - auch diese Nachfeier musste wegen des strömenden Regens am Nachmittag abgebrochen werden. Erstaunlich wie schnell es die Sinzheimer hatten, ihre Hauptstraße nach dem neuen Reichskanzler umzubenennen. Dieser hatte am 30. Januar sein Amt angetreten und am 16. Juni gab es schon eine Adolf-Hitler- Straße und eine Robert Wagner-Straße. Da hatten es die Sinzheimer schon eilig. Infolge der wirtschaftlichen Schwierigkeiten, unter denen fast alle Kameraden schwer zu leiden haben, ist es uns leider nicht möglich, offiziell am Landesfeuerwehrtag in Pforzheim am 13. August 1933 teilzunehmen Schreibt Kommandant Hillert am 29. Juli 33 an die Freiwillige Feuerwehr Pforzheim. Trotzdem meldeten sich 11 Wehrmänner mit dem Kdt.Stellvertreter Boos, um am Landesfeuerwehrtag teilzunehmen. Diesen wurde angeboten sich der Feuerwehr Baden-Baden Altstadt oder Badenscheuern anzuschließen. Im Sommer wurde zur Unterstützung der Feuerwehr bei allen Hausbesitzern um einen Beitrag von RM 2.- gebeten. Dies wurde von über siebzig Prozent der Hausbesitzer auch getan. Bei einigen die, nicht bezahlten, hat der Listenführer manche Bemerkung aufgeführt: braucht keine Feuerwehr, kann zum Fenster rausspringen, schreibt nirgends mehr den Namen hin, hat kein übriges Geld usw. Am 22. September 1933 geschieht etwas noch nie da gewesenes - die Hauptprobe findet nicht im Hauptort sondern beim Arbeitslager Tiefenau statt. Bisher waren alle Proben um den Kirchturm herum abgehalten worden. Und jetzt ging es um 18.54 zu den Anwesen des (noch) Freiwilligen Arbeitsdienstes (FAD) Als die Sirene ertönte, stand kein Kraftwagen zur Verfügung - alle sind noch auswärts. Der Stellv. Kdt. bespannt die Handdruckspritze mit Pferd – die Abteilungen Rettung, Leiter I, Motorspritze und Schlauchwagen I werden im Mannschaftszug zur Übungsstelle (ca 2,5 km) befördert. Ein Kraftwagen nimmt jetzt die Maschinenleiter mit, bis dies allerdings so weit ist, vergeht  wertvolle Zeit, da die Kupplungen nicht übereinstimmen. Der Kommandant trifft sechs Minuten nach dem Alarm mit zwei weiteren Feuerwehrmännern in seinem privaten Kraftwagen am Brandobjekt ein. Die ganze Wehr war am Kartunger Bahnübergang durch die Durchfahrt von drei Schnellzügen 5 Minuten aufgehalten. Erstaunlich ist trotzdem, dass die Ankunft der Feuerwehr- teilweise- um 19.20 angegeben ist. Hierbei muss bedacht werden, dass der größte Teil der Geräte einschließlich der Motorspritze geschoben bzw. gezogen wurde. Insgesamt waren 128 Feuerwehrmänner an dieser Übung beteiligt! Zu dieser Übung gibt es einen ausgedehnten Bericht des Kommandanten. Am 12.10. findet die jährliche technische Prüfung der Motorspritze statt. Dass sich eine neue (verhängnisvolle) Zeit anbahnt, ist aus manchen Schreiben an die Wehr schon zu erkennen. Deutlich wird dies, als der Kommandant auf Anordnung zum Weihnachtsfest des Deutschen Volkes einladen muss. Diese findet am 24. Dezember 33, 16.30 Uhr auf dem Kirchplatz in Sinzheim statt. Kommandant Hillert schreibt in dieser Einladung u.a. „Hierzu sind sämtliche Sinzheimer Vereins- und Ortseinwohner eingeladen. Bei dieser „ Deutschen Weihnachtsfeier” soll die von unserem obersten Führer Adolf Hitler geschaffene Volksverbundenheit erneut unter Beweis gestellt werden.” Das Jahr 1934 beginnt mit der politischen Einfärbung auch der Feuerwehr! Ein Schreiben der politischen Leitung der NSDAP von Dr. Unger muss vom Kommandanten an die Wehrleute weitergeleitet werden. Am 27. März findet beim Kameraden Nesselhauf eine Verwaltungsratssitzung statt. Hier sind zwei Tagesordnungspunkte auffällig: 8. neue Statuten - Führerprinzip- 9. ziviler Luftschutz Ein Schreiben vom 26.2.1934, das mit roter Handschrift Geheim ergänzt wurde, zeigt erste Regelungen für den Luftschutz. Ebenso, dass die Wehr im Umkreis von 7 km (Luftlinie) der Luftschutzleitung zu Verfügung zu stehen hat. Ein Feuerwehrmann schließt sein Schreiben an den Kommandanten mit „Hitler - Gruß” . Es gibt mehrere Übertritte in die nichtaktive Abteilung und noch mehr neue Brandbekämpfer als in den Jahren zuvor. Im April ist eine „ Arbeitsbeschaffungslotterie” bei der die Feuerwehr 25 Lose zum Verkauf erhält. Die Anordnung an die Führer u. Führerinnen der N.S. Organisationen und Vereine ist unterschrieben vom Bürgermeister Mayer und dem Leiter der NSDAP-Ortsgruppe Dr. Unger. Erstmals finden wir auch eine namentliche Auflistung der Musikabteilung mit Geburtsdatum und Zeitpunkt des Eintretens. Der jährlichen Rapportschein nach Bühl gibt es auch:

a. Aktivmitglieder: 127

b. Hilfsmannschaft: 167

Führung unverändert beim Festzug zum 75-jährigen Jubiläum der Feuerwehr Bühl beteiligt sich Sinzheim mit einem der größten Aufgebote. Man erweist ja schließlich der Amtsstadt die Reverenz. Beim Festzug des Kleinkaliber-Schützenverein „ Altenburg” Sinzheim marschiert die Feuerwehr nach der SA aber noch vor der Hitlerjugend! Der Kriegerverein beteiligt sich unter der Nr. 25 an diesem Geschehnis. Dreißig Mann nehmen am 25-jährigen Stiftungsfest am 08. Juli 33 in Stollhofen teil. 1933 wird per Erlass die Reichsnormalkupplung (System Storz) eingeführt. In der Bestandsaufnahme des Kommandanten ist zu erkennen, dass in Sinzheim zu diesem Zeitpunkt an älteren Schläuchen, Armaturen u. Geräten noch die Grether-Kupplung vorhanden ist. Am 16.09.33 findet im „Friedrichsbau” in Bühl eine außerordentliche Kreisversammlung statt - Tagesordnungspunpkt:

 

Neuorganisation der freiwilligen Feuerwehren

Eine Feuerschutzwoche findet vom 17. - 23.9.1933 auf Anordnung der Partei statt. In einem Begleitschreiben wird auf die Brandgefahr bei Luftangriffen hingewiesen! Die Feuerwehrführer haben sich zwecks der Durchführung dieser Teilaufgabe an den Reichluftschutzbund zu wenden. Im Rahmen dieser auferlegten Feuerschutz-Woche finden verschiedene Übungen in den frühen Abendstunden statt. Am Sonntag, den 23.9. findet ein Werbemarsch durch die Ludinstraße, Landstraße, Eisenbahnstraße, Adolf-Hitler-Straße zum Schulhaus statt. Dort wurde eine Schauübung durchgeführt. Anschließend wurde der Werbemarsch durch die Adolf-Hitler-Straße, Hirschstraße, Landstraße und Robert-Wagner-Straße fortgesetzt. Danach konnte die Bevölkerung die Feuerwehr-Geräte beim Schulhaus bis 18 Uhr besichtigen. Anschließend wurden die Geräte ins Gerätehaus zurückgebracht und die ganze Wehr marschierte zum Kameraden Nesselhauf. In dessen Garten gab die Feuerwehrkapelle ein Gartenkonzert und die Turnerschaft zeigte ein Schauturnen. Bei schlechtem Wetter sollte das ganze in der Turnhalle stattfinden, (was auch geschah). In der Gliederung und Stärkenachweis steht auch ein Spielmannszug mit 3 Hornisten und 3 Trommler, (diese sind auch namentlich erfasst). In der Aufforderung zu Teilnahme an der Totengedenkfeier für die „gefallenen Helden zur Errichtung des Dritten Reiches und deren des Weltkrieges” steht die NS-Partei und der SA Sturm, erst darunter dann der Bürgermeister. Die Feuerwehrkameraden treffen sich im Zeughaus ! War im zurückliegenden Jahr die Hauptprobe bei dem Arbeitsdienstlager Tiefenau, so kamen beim Brand des Anwesen des Güterbestätters Walter am 24.11.1934, 70 Mann dieses Lagers im Laufschritt der Feuerwehr zu Hilfe. Überschwenglich bedankt sich der Kommandant beim Arbeitsgau 27 Lager Sinzheim Tiefenau, dass diese in so kurzer Zeit trotz der großen Entfernung eingetroffen waren. Und hofft auch auf künftige Unterstützung des Arbeitsdienstes. Die Industrie sendet die ersten Unterlagen-Prospekte in denen Helme mit dem Symbol der neuen Machthaber angeboten werden. Die Archivunterlagen des Jahres 1935 sind mithin die umfangreichsten. Breiten Raum nimmt die Umstellung der Kupplungen ein. Auch die Fa. Grteher in Freiburg bietet jetzt die neue Kupplung an ! Die meiste Papierflut kommt als Erlasse u. ä. vom Bezirksamt Bühl. Die Regulierungswut des NS-Regimes ist unverkennbar. Anträge für Ehrungen sind über den Gemeinderat an das Bezirksamt einzureichen (so konnte die politische Gesinnung mitgeprüft werden). Die Kosten der Überlandhilfe wird ebenso erfasst wie der Beginn des Luftschutzes, Beihilfe für das neue Eindecken von Häusern, damit die Schindeldächer verschwinden, usw. Von der Sinzheimer Feuerwehr lesen wir darin wenig, Anschaffungen in Höhe von ca. 1200 RM wurden getätigt- hauptsächlich im Hinblick auf die neue Kupplung. (Rechnung Fa. Metz 100 Paar Kupplungen, 350 m C-Schlauch, 80 m B-Schlauch, ein beachtenswerter Kostenpunkt ist das Einlöten der Strahlrohranschlüsse vor Ort). Es gibt einen Übungsplan wie in den Jahren zuvor. Die Generalversammlung findet am 23. Mai 1935 im Gasthaus „Zur Sonne” nach der Übung um 1/2 9 statt. Es gibt einen Geschäfts- und Rechenschaftsbericht sowie Wünsche und Anträge. Der Badische Revisions-Verein Mannheim prüft am 06. Dezember die Geräte, insbesondere die Motorspritze von der wir hier erstmals genaue Leistungsdaten bekommen. Der Breuer-Motor leistet 12 PS und die Pumpe 400 Liter. Die Maschine ist in Ordnung, außer dem Ventil zum Nachfüllen der Kühlflüssigkeit. Es wird empfohlen, die Spritze im Sonderraum des Feuerwehrhauses unterzubringen, da dieser gut isoliert ist und elektrisch beheizt werden kann. Am 16. März 1936 beantragt der Kommandant über den Bürgermeister beim Bezirksamt Bühl die Anerkennung als öffentliche Feuerwehr. Gleichzeitig läd er den Landrat zur Übung am Sonntag den 26. März ein, das dieser gleich verbinden könne mit der großen Luftschutzübung des Reichsluftschutzbundes, die gemeinsam in Sinzheim stattfindet. Ob der Landrat gekommen ist? Gekommen ist am 14. April 36 die Anerkennung als öffentliche Feuerwehr, dieses Schreiben wird dem Kommandanten gegen Empfangsbescheinigung ausgehändigt. Gleichseitig erfolgt eine Anordnung über das Tragen des polizeilichen Hoheitsabzeichen. Am 24.4.36 wird sieben Wehrmännern das FW-Ehrenzeichen für 25- jährige Dienstzeit verliehen, das am nationalen Feiertag des Deutschen Volkes in geeigneter Weise übergeben werden soll. Am 10. August teilt Ludwig Hehn mit, dass er zum neuen Kreisfeuerwehrführer ernannt wurde. Am 20.8.36 findet im Gasthaus zum Hirsch eine Mitgliederversammlung statt. Hier soll die neue Einheitssatzung zu Annahme gelangen. Aufgrund dieser, soll der neue Führerrat gebildet werden. Der Bericht dieser Versammlung endet mit der Bitte, uns alsbald eine Erklärung zukommen zu lassen, ob die genannten Personen die Zustimmung der Polizeibehörde und der Kreisfeuerwehrführers finden oder nicht. Am 31.8.36 wird gem. Runderlass des Reichs- und Preussischen Ministerium des Innern vom 08.05.36 IIID 6261/36 der Führerrat gebildet.

1. Martin Hillert Bankvorstand u. Oberbrandmeister Vorsitzender des Führerrates

2. Rudolf Walter (Leop.S) Landwirt u. Brandmeister Stellvertreter des Oberbrandmeisters

3. Karl Nesselhauf Gastwirt u. Brandmeister Schrift- und Kassenführer sowie Löschzugführer

4.Anton Walter (Wilh.S.) Landwirt u. Brandmeister Löschzugführer

5. Wilhelm Seifermann Jun. Löschmeister Gerätewart

In diesem Bestätigungsschreiben steht als Schlusssatz: „Im Gegensatz zu unserer (nicht erhaltenen) Mitteilung vom 11.8.36 wurde Rudolf Walter als Stellvertreter des Kommandanten anstelle von Karl Nesselhauf bestimmt. Am 26.9.36 kommt das Schreiben des Bezirksamtes, das nach Anhörung des Kreisfeuerwehrführers, den Führerrat bestätigt.

Zur Einweihung des Badischen Feuerwehr-Ehrenmals in Achern am 11. Oktober 1936 sind 14 Sinzheimer

Wehrmänner mit ihrem Wehrführer angetreten. Bereits am 29.10.1935 hat die Feuerwehr Sinzheim den ihnen zugewiesenen Betrag von RM 36 für den Bau des Ehrenmals bezahlt. Am 24. November 1936 wird der bisherige Kommandanten-Stellvertreter Josef Boos zum Ehrenmitglied ernannt, die gleiche Ehre wird dem Franz Xaver Gushurst zuteil, der 44 Jahre aktiven Dienst leistete.  Am 26.11.36 wird die Motorspritze wieder geprüft – keine Beanstandungen! 1937 ist zum ersten Mal eine Verleihung des Reichfeuerwehrehrenzeichen möglich - Sinzheim meldet dem Bezirksamt Fehlanzeige! Am 5. Mai 37 meldet der Wehrführer Hillert , wie er jetzt genannt wird, 103 Mann dem Bezirksamt. Sinzheim gehört ab 26. April nicht mehr zum Feuerlöschbezirk (Verband) Rastatt sondern zum gleichnamigen in Bühl. Den ungenügenden Zustand der Uniformen beklagt der Wehrführer in seinem Schreiben an die Gemeinde am 17.9.37. Auf zwei Schreibmaschinenseiten tut er dies kund, auch dass die meisten Uniformen die inzwischen veraltet sind alle privat bezahlt wurden. Auch fehlen 15 Mann zur Sollstärke, worauf ein Aufruf an die Bevölkerung am 20.9.37 ergeht. Im Oktober 1937 ergeht ein Lieferauftrag an die Fa. Hilbert in Rastatt. So werden z.B. bestellt:

29 Helme schwarz

28 Faschinenmesser

27 Fw-Mützen

01 Offiziersmütze

27 Faustriemen Silber/Rot

31 Armabzeichen m. Ortsnamen Sinzheim

02 FW-Stiefelhosen

01 Offizierssäbel

Unterschrieben von ihm und dem Bürgermeisterstellvertreter Göhringer. Die Pumpe wird auch wieder geprüft- befindet sich im Gemeindespritzenhaus und wird gut abgedeckt und mit einer Kohlenfadenlampe beheizt. Im Dezember 1937 gibt es wieder einen Rapport:

Aktivmitglieder 100

Hilfsmannschaften: 85

Zum Jahresende kommt noch eine Auftragsbestätigung von der Fa. Carl Metz über 210 m rohe Hanfschläuche mit 52 mm lW und 60 m rohe Hanfschläuche mit 35 mm lW sowie 26 Schlauchhalter. Am 14. März 38 werden von der Uniformfabrik Hilbert, in Rastatt 31 Feuerwehrtuchröcke geliefert. Im März 38 hat die Feuerwehr 38 Anwärter, die nach jetzt geltenden Bestimmungen ärztlich untersucht werden müssen. Der Kreisfeuerwehrführer besucht die Wehr am 27.5.38, wofür vorher eigens zwei Übungen angesetzt werden. In einem Schreiben vom 22.7.38 an den SASturm 11/111 und den Oberbrandmeister Hillert regelt der Bürgermeister die Unterbringung und Benützung der fünf vorhandenen Gasmasken bei der Feuerwehr. In einem Schreiben der Staatlichen Kriminalpolizei wird auf die vermehrten Brände durch Schlegelschrotmaschinen hingewiesen. Im Vincensiushaus wird noch eine solche benützt stellt der Bürgermeister fest. Zum 01. August 1938 findet erstmals eine statistische Erhebung innerhalb der Feuerwehr statt, zur Weitergabe an den Kreisfeuerwehrführer. Hier wird die Stärke der Löschmannschaft in den Filialen mit 300 Mann angegeben. Als politische Leiter der NSDAP sind 5 Mann tätig Amtswalter des NSV /Wohlfahrt sind 2 Mann

In der Arbeitsfront (DAF) sind es 6 Mann

In der SA sind es 7 Mann

in der SS ist einer, Amtsträger im RLB Luftschutz 1 Mann

Und 30 Männer sind Parteigenossen oder Parteianwärter!

Der Kommandant ist (noch) Parteianwärter. Die Gesamteinwohnerzahl von Sinzheim beträgt: 4265

Die Altersstruktur sieht folgendermaßen aus:

18-24 Jahre - 9 Mann

25-29 - 25

30 -34 - 30

35-39 - 18

40-44 - 14

45- 49 - 11

50-54 - 13

55-59 - 6

Die Sinzheimer melden diese Zahlen bereits zum 19. Juli mit der Unterschrift des Bürgermeisters und des Wehrführers nach Bühl. Im Juli 1938 werden an allen Fernsprechanschlüssen Karten angebracht, mit den Nummern, die im Brandfall angerufen werden müssen. Es sind vorhanden in Sinzheim: 36 Fernsprechanschlüsse, wobei die Vereinsbank, Dr. Unger und das Rathaus 2 haben- einer  unter Amt Steinbach und einer unter Amt Baden-Baden.

In Kartung sind es 5 Anschlüsse, darunter die Abdeckerei und Posthilfsstelle.

In Halberstung: 2 Anschlüsse Postagentur und Arbeitslager

Schiftung: 1 Postagentur

Müllhofen: 1 Johann Manz

Vormberg: 2 Steinbruch und Klostergut

Winden: Postagentur im Rebstock

Von Anfang Juli bis Ende September 1938 wird auf Grund der besonderen Trockenheit ein „Waldstreifendienst” gebildet, den im wöchentlichen Wechsel, jeweils vier Mann zu leisten haben. Diese haben an Sonn-und Feiertagen den ihnen zugewiesenen Streifendienst durchzuführen, Sinzheim wurde der Bereich ab Varnhalt, Nägelsfirst, Yburg, Lache und Fremersberg zugewiesen. Im Amtsblatt ist weiter festgehalten, dass die Feuerwehren von Stollhofen und Leiberstung den Bereitschaftsdienst im Forlenwald übernehmen. Es wurde eine exakte Anwesenheitsliste geführt. Diese Anordnung kommt vom Reichsführer SS und Chef der Deutschen Polizei. Eine Alteisensammlung erbringt 1540 kg Alteisen, das der Fa. Franz Rauch Söhne übergeben wird. Beleg vorhanden. Am 07.12.1938 ergeht ein weiterer Runderlass - Erhöhter Feuerschutz für die Deutsche Ernte. Am 23.9. werden 11 Männer zur Verleihung des Reichsfeuerwehr - Ehrenzeichens vorgeschlagen. Die Generalversammlung, die jetzt Mitgliederversammlung genannt wird, findet am 29.9.38 in der Turnhalle in Sinzheim statt. Da die Auszeichnungen an diesem Abend noch nicht zur Verfügung standen, wurden diese auf dem Festplatz anlässlich des Erntedankfestes durch den Bürgermeister überreicht. Die vorhandenen Akten für das Jahr 1939 beginnen mit einem Paukenschlag: In einem Schreiben an den Kreisfeuerwehrführer vom 12.2.1939 teilt der Wehrführer Hillert seinen Austritt aus dem aktiven Feuerwehrdienst mit. Er begründet dies mit seinem angegriffen Gesundheitszustand, beigelegt ist ein Ärztliches Zeugnis vom 16.9.1938. „Meine Hoffnung auf Besserung hat sich leider als trügerisch erwiesen”. Ich habe heute meinem Stellvertreter Brandmeister Seifermann mitgeteilt, dass ich zum 31.März 1939 aus dem aktiven Dienst ausscheide und mich bis dahin als beurlaubt betrachte. Gleichzeitig habe ich Brandmeister Seifermann darauf aufmerksam gemacht, dass es seine Pflicht ist , bis zur endgültigen Regelung durch den Kreisfeuerwehrführer, die Führung der Feuerwehr Sinzheim zu übernehmen. Hierzu gibt es noch ein weiteres Schreiben des Kreisfeuerwehrführers an den Bürgermeister Steinmetz, wer die Nachfolge antreten könne. Es gibt keine weiteren Belege was hier vorlag - tatsächlich sind ab Mai 39 alle Vorgänge, die eine Unterschrift bedurften, wieder von Martin Hillert unterzeichnet. Vermutlich hing dies damit zusammen, dass der Wehrführer mehrere Aufforderungen zur Teilnahme an einem Lehrgang an der Badischen Landesfeuerwehrschule (Jan. u. März 38) wie auch am 27.4.-07. Mai 1938 nicht wahrgenommen hat. In einem Schreiben an den Kreisfeuerwehrführer vom 02.04.38 teilt er diesem mit, dass sich sein Gesundheitszustand z.Zt. weiter verschlechtert habe und vor Ablauf eines Jahres an einen Schulbesuch nicht zu denken sei. Ausgelöst wurde dies durch die Anordnung des Landesfeuerwehrführers, dass alle Führer von Wehren unter 55 Jahren einen zehntägigen Lehrgang an der Feuerwehrschule besuchen müssen. Wehrführer Hillert war zu diesem Zeitpunkt 48 Jahre alt und seit 1922 Kommandant bzw. Führer der Wehr und hatte keinen Lehrgang an der Feuerwehrschule besucht. Einige Beschaffungen werden 1939 zu Jahresbeginn getätigt. Im Mai erscheint wieder der Übungsplan. Im gleichen Monat werden 122 Hakengurte bestellt, wobei hierfür eine Kenn-Nummer erforderlich ist, um die Menge von 213 kg Roheisen beschaffen zu können. (Beuttenmüller Bretten) An das gleiche Unternehmen geht ein Lieferauftrag über 100 Stahlhelme und 100 Arbeitsmützen. Am 13. Juni sind alle Geräte, Schläuche usw. auf die Reichsnormalkupplung umgestellt, teilt der Bürgermeister-Stellvertreter dem Landrat mit. Vier Tage später wendet sich der Kreisfeuerwehrführer Hehn an das Bürgermeisteramt und fordert die Gemeinde bzw. Feuerwehr auf, ihren Personalbestand deutlich zu erhöhen. Er erwartet bis 1.10., dass der Rückgang ausgeglichen ist. Im Juli kommt es zu einem ernsten Schriftwechsel mit dem Kreisfeuerwehrführer wegen des Verbandsbeitrages, dem Sinzheim nicht Folge leistet. 1939 ist noch zur Finanzierung des Landesfeuerwehrtages der Betrag von 180 Reichsmark zu entrichten. An einem Unterführer-Lehrgang über zwei Tage in Bühl war aus Sinzheim niemand als Lehrgangsteilnehmer, dies liegt wohl daran, dass die Ausbildung an der Mechanischen Leiter vom Sinzheimer Brandmeister Seifermann geleitet wurde. Dies wird dieser in Sinzheim vorher schon getan haben, womit sich kein Bedarf auftat. Am 25.01.1939 werden alle 132 Feuerwehrmänner erfasst und der Gemeinde mitgeteilt. Grund: es wurde eine Feuerschutzabgabe eingeführt! Am 27.1.39 findet im Gerätehaus ein Appel sämtlicher Aktiver statt. Auch hierfür gab es einen Anlass: Die Sammlung zum Tag der Deutschen Polizei (WHW) stand am 29.1. bevor und es mussten Sammelgruppen gebildet werden. Es wurde erwartet, dass jeder Feuerwehrmann 1 RM spendet, es „wurden” manchmal auch nur 20-50 Pfennig. Insgesamt kamen mit der Sonderspende (RM 80) der Feuerwehr 193,95 Reichsmark zusammen. Erstmals ist der zu erwartende Verbrauch an Mineralölprodukten zu melden. Der Führer der Wehr meldet zuerst 6 Liter Öl an den Feuerwehrführer, später meldet er dem Bürgermeister zur Weitergabe an den Landrat: 100 Liter Benzin und 12 Liter Öl. Im April 1939 wird der Kreisfeuerwehrführer Hehn gebeten, die in Heilbronn-Sontheim stehende Saug- und Druckspritze zum Preise von 300 RM für den Ortsteil Sinzheim-Schiftung zu kaufen. Im Frühjahr 1939 werden eine Reihe Männer in die Wehr aufgenommen, diese gehören  Jahrgänge von vor 1910 an. Aus dem Kreis Bühl „ müssen” 800 Mann am Landesfeuerwehrtag teilnehmen. Und diese Sollstärke von 800 Mann darf auch nicht um einen einzigen Mann unterschritten werden - so der große Feuerwehrführer in Achern. 50 Mann sind es allein aus Sinzheim, davon fahren zwei mit dem Motorrad dorthin, um am Propagandamarsch teilzunehmen. Zum 17. Mai 39 ergeht ein Aufruf (heute klingt dies mehr nach einer Drohung) in den Häusern herumliegende Ausrüstungsgegenstände bei der Wehr abzuliefern. Sollten nach dem 20. Mai noch Gegenstände vorgefunden werden, muss mit einer Anzeige wegen Unterschlagung gerechnet werden. Im Mai findet in Bühl der Kreistag der NSDAP des Kreises Bühl statt, zu dieser politischen Veranstaltung befiehlt der Kreisfeuerwehrführer 500 Mann, die sich vor dem Gerätehaus der Bühler Wehr einzufinden haben. Sinzheim wird auferlegt mit 30 Mann zu erscheinen ! Bühl muss 80 Mann stellen! Dieser Kreisfeuerwehrführer dessen Schreiben schon sehr früh mit dem „Gruß” Heil Hitler verziert sind, befördert am 22. Mai 39, 29 Sinzheimer Feuerwehrmänner zu Oberfeuerwehrmännern. Zum 22. Mai 39 werden drei Feuerwehrleute aus der Wehr ausgeschlossen. Zitat des Wehrführers: Mit der Beseitigung dieser Bummler und Stänkerer hoffe ich den übrigen Kameraden klar gemacht zu haben, dass in unserer Wehr nur pflichteifrige Kameraden ihren Platz haben können. Dies war eine vorbeugende Drohung - so würde man heute dies nennen! Seit 22. Mai ist der Wehrführer zum Heil Hitler übergegangen! Bei der Übung am 04.06.39 haben insgesamt 41 Mann gefehlt. Davon sind 15 Musiker beim Musikfest in Freiburg, einige sind politisch tätig, einige bereits beim Heer, einige fehlen unentschuldigt und bezahlen ihren Pflichtbeitrag. Bei einem jedoch ist die Entschuldigung schon zukunftsweisend - er befindet sich an der Westfront - eine Front, die es nach offizieller Schreibweise und Fakten erst nach dem 3. September gab. Gerne hätten die Feuerwehrmänner in ihren Uniformen am Gartenfest des MGV Halberstung am 16.7.39 teilgenommen, jedoch erlaubte dies der Wehrführer nicht. In einem Schreiben an den damaligen Vorsitzenden Friedrich Prestenbach betont der Wehrführer, dass die Feuerwehr als Wehrorganisation in das staatliche Gefüge als Feuerlöschpolizei eingebaut ist. Der Vereinscharakter ist in Wegfall gekommen. Es ist der Feuerlöschpolizei nicht gestattet an Vereinsfestlichkeiten teilzunehmen. 12 Feuerwehrmänner werden aus dem Dienst entlassen, weil sie aus Krankheitsgründen schon seit Jahren nicht mehr am aktiven Dienst teilnehmen oder der Altersabteilung überschrieben wurden, ohne dass Voraussetzungen heute noch vorliegen ????? 04. Juli 1939. Es gibt eine handschriftlich angelegte Liste von 22 Ehrenmitgliedern, wovon 14 noch leben. Bezüglich der Altersabteilung kommt eine Anordnung des Kreisfeuerwehrführers: mindestens 60 Jahre alt und mindestens 2o Jahre aktiver Dienst. In der Zeitung „Der Führer” wird von einer groß angelegten und unvorbereitenden Feuerwehrübung in Sinzheim berichtet. Ebenfalls fanden Übungen der örtlichen Löschmannschaften in Schiftung, Halberstung, Müllhofen und Kartung statt. In Kartung wurde unter Annahme unglükklicher Umstände eine stärkere Ausdehnung des Brandes angenommen, wodurch noch die Feuerwehr Sinzheim angefordert werden musste. Schon nach wenigen Minuten war die Motorspritze und Schlauchwagen vor Ort sowie anderes Gerät mit einem Lastwagen. Am 10. Dezember 1939 meldet der Sinzheimer Wehrführer an den Kreisfeuerwehrführer, dass von 126 Aktiven 53 zur Wehrmacht eingezogen wurden. Von den verbleibenden sind 49 ständig im Ort, 24 stehen, da sie auswärts arbeiten, nur in den Nachtstunden zur Verfügung. 29 frühere Feuerwehrkameraden (wohl alles Ältere oder nur eingeschränkt Taugliche) wurden eingekleidet. Wir glauben, mit diesem Mannschaftsstand auszukommen, da im Notfall noch zwei Reichsarbeitsdienstabteilungen und eine Baukompanie sowie Formationen der Wehrmacht zur Hilfeleistung zu Verfügung stehen. Am 22. Januar 1940 stirbt der (erste) Ehrenkommandant der Sinzheimer Feuerwehr Altbürgermeister Franz Lorenz. Am 16.2. teilt der Wehrführer mit, dass die Feuerwehrleute nicht an der vormilitärischen Ausbildung der SA teilzunehmen haben. Dies hat der Chef der Ordnungspolizei General Daluege angeordnet. Es gibt wieder eine Haussammlung bei den Feuerwehrkameraden am Tag der Deutschen Polizei zu Gunsten des Winterhilfswerkes (WHW). Insgesamt kommen RM 112.- (!) zusammen. Auf den vollzählig erhaltenen Spendenlisten kann man erkennen, wer sich bei der Wehrmacht befindet. Hier findet man auch Einträge wie: Arbeitslos, hat heute in der Kirche schon gegeben, z. Zt. keine Einnahmen. Am 21.2.40 gibt es eine Versammlung im Nebenzimmer des „Ochsen” Thema “Feuerlöschgesetz”. Am 22. April meldet der Wehrführer nach Achern, dass eine Verstärkung der Wehr durch Angehörige der Hitlerjugend bisher noch nicht erfolgt ist. In diesem Monat erhält der Wehrführer die Genehmigung seinen PKW IV B 12054 für den Feuerwehrdienst innerhalb des Ortsbereiches Sinzheim benützen zu dürfen. Die Entlassung eines Feuerwehrmannes durch den Wehrführer wird vom Bürgermeister entsprochen, dieser hatte seine Bedeutung als landwirtschaftlicher Produzent höher gestellt als den Feuerwehrdienst. In einer Wehrführerbesprechung in Achern am 24.5.40 wird die Anlage von Brandweihern und der Einbau von Stellfallen in Fließgewässern besprochen. 1940 werden, 150 m C-Schlauch bestellt, die selbst eingebunden werden. Es werden allerdings nur 75 m geliefert - es beginnt jetzt schon alles knapp zu werden. Am 6.6.40 kommt die Anordnung, keine Helme mit Kämmen zu kaufen sowie die vorhanden abzumontieren (Neusilber oder Alu) und den Metallsammelstellen zuzuführen. Die Löcher sind mit Nieten zu verschließen, der Kreisfeuerwehrführer erwartet bis 25.6. den Vollzug. Sinzheim entfernt an allen 140 Helmen die Kämme und liefert diese ab, die Fa. Beuttenmüller in Bruchsal liefert zum Verschließen der Löcher die benötigten Nieten. Die Feuerwehr erhält eine Tankausweiskarte für 30 Liter Benzin, gibt diese jedoch zurück, da die Gemeinde ausreichen Brennstoff sichergestellt hat. Im September 1940 wird verfügt, dass die Sirene nicht mehr zur Alarmierung der Wehr benützt werden darf- sie steht nur noch für Luftschutzzwecke -Fliegeralarm zur Verfügung. Der Wehrführer Hillert hatte bereits im Februar 40 eine Anschaffungsgenehmigung für 5 Hörner beantragt. Im September kommt eine Anfrage über Stärkemeldung der Jugendfeuerwehr - womit allerdings keine Jugendwehr im heutigen Sinne gemeint ist, sondern die der Hitlerjugend. Im September 40 ergibt sich ein weiteres Hindernis: die bisher zur Verfügung stehenden Kraftwagen der Firma Moser, Rauch Söhne, Schmidt & Huck sind durch die Mobilmachung „weggenommen” worden. Diese waren insbesondere erforderlich, um die Gerätschaften in die entfernter liegenden Ortsteile bringen zu können. Die übrigen, ganz wenigen Wagen sind meist auf Fernfahrt und stehen nicht zur Verfügung.Durch das Fehlen dieser Wagen ist das schnelle Eingreifen der Feuerwehr im Brandfalle nicht mehr möglich. Es sollte mindestens ein Lastwagen zur Verfügung stehen. Bei einer Probe am 1.12.1940 hat eine größere Anzahl Feuerwehrmänner gefehlt. Am 25.12.40 gratuliert der Wehrführer dem Musikmeister Friedrich Steibing zu seinem 60. Geburtstag und bedankt sich für dessen außergewöhnliches Wirken, das mit viel Mühe und persönlichem Opfer verbunden ist. Die Archivunterlagen für 1941 beginnen mit einer Mannschaftsaufstellung In alphabetischer Reihenfolge geordnet sind es 125 Mann, 9 Männer sind älter als der Wehrführer. Zum Tag der Deutschen Polizei wird wieder gesammelt und der Chef der Ordnungspolizei erwartet, dass jeder Feuerwehrmann ein Opfer in doppelter Höhe und Einsparen und Verzicht auf kleine Annehmlichkeiten des täglichen Lebens leistet. Es kommt ein erstaunlicher Betrag von 901,10 RM zusammen, darunter eine Sonderspende der Wehr in Höhe von 169,50 RM sowie 10 RM vom Gendamerieposten Sinzheim. In einer Führerbesprechung am 18.2.41 gibt es Themen wie: Aufbewahrung von Asche, Auftauen eingefrorener Wasserleitungen, Wegwerfen von Cigarren- und Zigarettenstummel,Wärmeflaschen auf Herden und Öfen, schadhafte Kamine u. Kohlenmonoxidbildung, Benutzung von Karbidlampen, schadhafte Ofenrohre, Fleisch- Räucherapparate, Streichhölzer gehören nicht in Kinderhände usw. Als Hilfsfeuerwehrmänner bzw. Reservemänner werden 40 Mann eingereiht. Von Beruf sind dies fast alle Landwirte, einer ist Handelsmann, einer Fuhrunternehmer, einer Hoteldiener, mehrere Handwerker und einer Baumzüchter. Es gibt einige organisatorische Änderungen,

der Übungsplan kann nicht eingehalten werden. Am 09.03. gab es eine Übung bei der 112 (!) Männer anwesend sind, einige fehlten und deren Gründe für das Fernbleiben wurde vermerkt. Unentschuldigt fehlt interessanterweise keiner mehr. Einer konnte nicht teilnehmen, weil er den Leichwagen gefahren hat! Bei Heldengedenktagen fehlen um so mehr. Am 19. März hält der Wehrführer Nachschau in den 7 Sinzheimer Betrieben dieser Zeit, wozu auch der Bahnhof gehört, welche Löschgeräte vorhanden sind und welche Normung diese haben. Auf der Tiefenau ist ein Gefangenenlager mit 300 Mann untergebracht, wofür einige Schläuche mit Standrohr bestellt sind. Von April bis September wird ein Streifendienst zur Waldbrandvorbeugung eingerichtet. Der Streifendienst darf nicht länger als eine Stunde in einem Gasthaus verweilen. Der Streifendienst kann nach einem niedergegangen Gewitterregen sofort beendet werden. Ein Beil und ein Spaten sind mitzuführen, ebenso der Streifenführer eine Armbinde mit dem Aufdruck „Forstpolizei”. Friedrich Wäldele begeht am 24. April 1941 den fünfzigsten Geburtstag, wozu der Wehrführer besonders gratuliert. Dies ist im Besonderen bemerkenswert da dessen Sohn über 40 Jahre aktiv in der Feuerwehr tätig war und dessen drei Söhne heute zu den unverzichtbaren Stützen der Feuerwehr Sinzheim gehören. Am 21.5.41 werden fünf Martinshörner mit Hahnmundstück geliefert die 16 RM/ Stück kosten. Am 30. Mai findet eine Übung statt, die den Bombenabwurf zum Übungsinhalt hat, eine makabere Vorausschau auf kommende Ereignisse. Im Juni wird ein Handzettel verteilt: Schützt das Heu gegen Selbstentzündung! Im Juni 41 wurde der Personenkraftwagen des Wehrführers „entwinkelt”, also stillgelegt und somit ist die Motorspritze nur noch räumlich begrenzt einsatzbereit. Der Landrat genehmigt die Weiterbenützung des Wehrführer PKW, das der eigens für den Transport der Motorspritze eine Kupplung erhielt. Auch die Gendarmerie wird in Kenntnis gesetzt. Aus einem Schreiben an den Kreisführer der freiw. Feuerwehren erfahren wir erstmal, dass ein Sinzheim Feuerwehrmann gefallen ist. Der Wehrführer teilt dorthin mit, um Aufnahme in die Heldentafel der Zeitschrift „Deutscher Feuerschutz”, dass der Feuerwehrmann Unteroffizier Emil Huck im Oktober 1941 im Osten gefallen ist. Mit einer Treibstoffzuteilung von 15 Ltr. enden die Dokumente für dieses dritte Kriegsjahr. Im darauffolgenden Jahr gibt es eine Liste der aktiven Feuerwehrmänner -126 - der Reservefeuerwehrmänner - 29 - und der Hilfsfeuerwehrmänner -34 - Es wird die Parole ausgegeben, dass beim Kennwort Florian sofort mit dem Horn Alarm gegeben wird. Eine weitere Gefallenenmeldung, 9.2.1942 David Huck bei Smolensk, ergeht an die Führung. In einem Brief an einen im Fronteinsatz befindlichen Löschmeister teilt der Wehrführer diesem mit, dass bereits drei Feuerwehrkameraden gefallen sind. Im Juni wendet sich der Wehrführer an den Bürgermeister mit der Frage, wer denn als Führer der Feuerwehrhilfsmannschaft in Vormberg anzusehen ist. Bei einem Brand in Schiftung in der Nacht vom 10. auf 11. Juli 42 waren drei Fahrzeuge aus Sinzheim beim Transport der benötigten Geräte und Mannschaften sowie der Lafettenmotorspritze im Einsatz. Hierfür wurde um Zuweisung der verbrauchten Kraftstoffmenge gebeten. Es waren im Einsatz der PKW des Wehrführers, das Fahrzeug der Firma Rauch Söhne und das Fahrzeug des Franz Jung (gehörte dem Ring des Gemeinschaftswerkes) Auf Sonntag 26. Juli 1942 beordert der Wehrführer alle Führer der Feuerwehr-Hilfsmannschaften aus den Filialen in sein Geschäftszimmer. Die der Schiftunger erweisen sich als beratungsresistent und erscheinen nicht- trotz des kurz zuvor eingetreten Brandfalles.Am 05.08.1942 traf die nächste Gefallenmeldung bei der Wehr ein. Josef Springmann war am 29.7.42 im Osten gefallen. Dessen Kompaniechef, der auch noch Witz hieß, besaß eine besonders dämliche Art in dem er der Witwe mitteilte, dass sein Pferd ihm in den Tod folgte. Am 02.09.42 wird die Feuerwehr aufgefordert zu überprüfen, welche Geräte nicht mehr benötigt werden und diese in ihre Bestandteile zu zerlegen und der Sammelaktion zuzuleiten. Im September 41 wird eine Inventarisierung der Feuerlöschergeräte erforderlich:

1 Motorspritze, tragbar auf Lafette Solex-Vergaser, 400 Ltr. 12 Jahre alt

1 Metz - Leiter mech. 13 Meter Räder: Eisen

2 Ausziehleitern m. 12 m

60 m B-Schläche

540 m C-Schläuche

2 Verteilerstücke

2 Hydrantenaufsätze einfach

2 Hydrantenaufsätze doppelt

Zum 10.9.42 gibt es eine Personaleinteilung wie in früheren Jahren auch. Bemerkenswert jedoch ist die Liste der Feuerwehrmusiker: hier sind 21 Musiker aufgeführt,wovon sich 9 bei der Wehrmacht und einer bei Organisation Todt befindet. Hierzu kommen noch vier Ersatzleute und zwei Reserveleute darunter ein Hornist der Reserve. Für den auswärtigen Einsatz werden zwei Fahrzeuge gemeldet: Der PKW des Wehrführers sowie der LKW von Franz Hörth. Im Oktober 1942 werden Hausfeuerlöschkräfte ausgebildet, diese Ausbildungsmaßnahme findet in der größten Versammlungsstätte in Sinzheim statt - der Turnhalle. Am 18.10.42 nehmen 195 Personen daran teil, am 25.10.42 sind es nochmals 60 Personen. Ob es eine Generalversammlung oder Hauptversammlung gegeben hat - darüber gibt es keinen Nachweis, wahrscheinlich nicht. Bemerkenswert ist auch zu Beginn des Jahres 1943, dass sich der Kreisfeuerwehrführer Hehn nirgends findet, aller Schriftverkehr wird von seinem Stellvertreter Hauptbrandmeister Habermehl vorgenommen. Vermutlich befand sich dieser im Fronteinsatz oder in Verwendung höherer Stäbe. Das letzte Schreiben mit seiner Unterschrift oder Signatur stammt von 1940. Der Kreisführer meldet sich pflichtgemäß am 12.1.43 und verkündet, dass die Sammlung „Zum Tag der Deutschen Polizei “ nicht durchgeführt wird, aber jeder Angehörige der Freiwilligen Feuerwehr noch mehr spenden muss als zuvor. Der Betrag von mindestens RM 2 muss bis Ende Januar eingezogen sein und ist dem örtlichen WHW abzuführen. Der Sinzheimer Wehrführer schreibt in seinem Aufruf: Eine wertvolle Voraussetzung für den Erfolg schafft der Abteilungsführer durch eine eigene beispielhafte Spende. Ich selbst habe eine eigene Spende von RM 20.- gegeben, um auch meinerseits zum Gelingen der Spende beigetragen zu haben. Die Spendenliste ist bei mir unter entsprechender Berichterstattung am Sonntag, den 24.1.43 vormittags zwischen 11 und 11.30 Minuten abzugeben. Der Wehrführer gibt seinerseits RM 20.-, um zum Gelingen der Spende beizutragen.„Insgesamt kamen nur noch 371,50 RM zusammen. 1943 kommt die ersehnte „Spritzuteilung” aus dem Brand von Schiftung!! Zum 04. Februar 43 werden die Feuerwehren der Sondergerichtsbarkeit der SS – und Polizeigerichte unterstellt! Dies benutzt die Wehrführung als Druckmittel, in dem sie alle Angehörigen der Feuerwehr eine Verhandlung unterschreiben lassen, dass sie davon Kenntnis genommen haben, (ohne die Konsequenzen zu kennen). Auch den Führern der Löschmannschaften in den Filialorten wird das wohl kundgetan, als der Wehrführer sie am 26.2.43 in sein Geschäftszimmer einbestellt. „Es handelt sich um eine Sofort-Maßnahme, die vom Ministerium des Innern in Karlsruhe angeordnet ist” so seine Aufforderung. Im März gibt es neue „Dienstgradbezeichnungen in den Feuerwehren”. Der Wehrführer ist jetzt Obertruppführer, die Brandmeister werden zum Truppführer, die Löschmeister werden Haupttruppmänner. Gleichzeitig erfahren wir, dass die Wehr zu diesem Zeitpunkt noch 59 aktive Wehrleute besitzt hinzu kommen noch 11 Reservefeuerwehrleute und 139 Pflichtfeuerwehrleute davon im Hauport 67 und in den 6 Filialen 72 . Bei einer Großfeueralarmübung am 31.3.41 fehlen über dreißig der Hilfsfeuerwehrleute- davon sind fast alle krank, wie der Kommandant in seiner Liste aufführt. Am 11. März wurde die Wartstation des Müllhofener Überganges durch einen Bombensatz getroffen. Die Feuerwehr war mit 13 Mann dort im Einsatz- die Alarmierung erfolgte über den Sinzheimer Bahnhof. 21 Mann mit dem Kommandanten blieben in Bereitschaft! Ab diesem Zeitpunkt ist in Anwesen des Kommandanten eine Befehlsstelle bei Fliegerangriffen eingerichtet. Diese ist über beide Telegraphenämter erreichbar. Im April erfolgt eine Zuteilung von fünf Paar Ledersohlen die in Achern abgeholt werden müssen. Am 13. Mai 43 geht an alle Abteilungs- und Gruppenführer ein Schreiben das selbst geformte Befehle nicht mehr geduldet werden können. In Zweifelsfällen hat man sich an den Feuerwehr fachschüler Adolf Peter zu wenden. Am 06.06.43 waren 25 Mann im Postendienst (Landstraße u. Gebirgsdienst), im Rahmen einer Großfahndung nach 67, in Eichstädt entflohenen englischen Offiziere. Im Mai kommt eine Gefallen- Meldung die von einem Unteroffizier u. Hauptfeldwebel- Diensttuer unterschrieben ist. Hier erkennt man schon sehr deutlich, wie sich auch dort der Niedergang abzeichnet. Im Juni bildet die Feuerwehr eine Luftschutzwache (6 Mann.) Zum 25.6. nach einem Fliegerangriff auf Steinbach (m. 2 Toten, 4 Schwer- und 8 Leichtverletzten) gibt es eine Anordnung des Kreisfeuerwehrführers, dass bei auswärtigen Einsätzen Decken, Brotbeutel, Essgeschirre und Trinkbecher mitzuführen sind. Die Aufforderung des Kreisfeuerwehrführers an die Wehrführer zu Vervollständigung der Personalien, wird dem Sinzheimer Wehrführer nicht leicht gefallen sein. Die Frage nach Lehrgängen, Sonderausbildung und besondere Beauftragung musste er mit : Nein beantworten. Seine Mitgliedschaften in NS-Organisationen dürfte allerdings den Machthabern imponiert haben, ohne allerdings vor 1934 irgendeiner dieser angehört zu haben. Im Juli 1943 wird erstmal der Antrag auf Beschaffung eines Feuerwehrfahrzeuges gestellt. Das Kommando beantragt ein leichtes Löschgruppenfahrzeug -LLG - mit 1 1/2 Tonnen und angehängtem Anhänger. Abzüglich der Zuschüsse würden auf die Gemeinde noch RM 6000.- entfallen. Dieses Schreiben geht sowohl an den Bürgermeister-Stellvertreter (d. Bürgermeister ist als Hauptmann u. Komp. Chef im Fronteinsatz), wie auch an den Ortsgruppenleiter der NSDAP. Zum 01.09.43 ergeht eine Aufforderung des Wehrführers u. des Bürgermeister-Stellvertreter, der sich in diesem Schreiben als 1. Beigeordneter bezeichnet, zur Teilnahme an einem Kurzlehrgang zu Ausbildung weiblicher Hilfskräfte. Darauf folgen 21 Seiten mit der Auflistung von Frauen aus ganz Sinzheim insgesamt 930, die den Jahrgängen 1898 bis 1928 angehörten. Am 05. u. 12.9. wurden insgesamt an beiden Terminen eine behelfsmäßige Ausbildung durchgeführt. Von insgesamt 960 Eingeladenen nahmen 630 daran teil. Der Kreisfeuerwehrführer ordnet an, dass in allen Feuerwehren eine Gruppe von neun Feuerwehrhelferinnen gebildet werden muss. In Sinzheim sind es 12 junge Frauen der Jahrgänge 1923-25, die am 19.9.43 mit dem Ausbildungsdienst beginnen. Im gleichen Monat wird überdurchschnittlich viel Schlauch-Flickmaterial bei der Fa. Ziegler in Giengen bestellt- was auf einen überalterten Schlauchbestand schließen lässt. In einem Anerkennungsschreiben vom 27.10.43 bedankt sich der Bürgermeister von Bühl für den Einsatz der Sinzheimer Wehr, bei dem am 06.09. stattgefunden Fliegerangriff in Bühl. Im letzten Dokument des Jahres 1943 erfolgt die Stärkemeldung an den Kreisführer: 58 Aktive, 170 Hilfsfeuerwehrmänner und 12 Frauen- Helferinnen. Die Zahl der Hilfsfeuerwehrmänner wurde nochmals um 29 Mann aufgestockt, durch Rückgriff auf noch ältere Jahrgänge, gem. einer Anordnung des Reichs- Innenministers. Das sechste Kriegsjahr beginnt mit einem großen Problem in der Wasserversorgung. Bei einem Neuanschluss für den Rüstungsbetriebe im ehemaligen Gasthof Hirsch halten die Schieber nicht mehr und die Baugrube wird mit großen Mengen Wasser gefüllt. Die Wehr ist technisch nicht in der Lage, zumal auch noch die einzige Motorspritze ausfällt, das Wasser abzupumpen. Über mehrere Hydranten muss der gesamte Hochbehälter und die Leitungen entleert werden, damit die Anschlussarbeiten des Brunnenmeisters erfolgreich durchgeführt werden können. Zur Mithilfe wurden auch sowjetische Kriegsgefangene hinzugezogen. Über sechs Stunden dauerte die „Wassernot” an. Am 16.1.44 gibt es wieder ein Einschreiben mit dem Zusatz „GEHEIM”, das den besonderen Schutz der Rüstungsbetriebe betont. Die Reparatur der Motorspritze zieht sich mehrere Wochen hin, da das benötigte Ersatzteil nicht geliefert werden kann. Zum 26. März werden die 12 Helferinnen auf die Motorspritze (3), Schlauchwagen 1 (3),Wagenspritze (3) und Schlauchwagen 2 (3) eingeteilt. Zum gleichen Datum werden 400 m CSchlauch beantragt, angebotene Beuteschläuche aus Italien, die einem vom Zoll verschlossenen Tabakschopf lagern sind - ungeeignet! Vom Reichsamt Freiwillige Feuerwehren Berlin W 8 kommen tatsächlich 270 m C-u. 280 m B-Druckschläuche und 35 Kupplungen aus Temperguss. Übungen finden ab jetzt nur noch Sonntag ab 12.30 Uhr statt. Es darf keine Arbeit-(Produktions-)Zeit mehr hierfür benutzt werden. Bei einer Lahrer Firma bestellte Schläuche werden nicht geliefert, da die Wehr nicht mehr berechtigt ist, von sich aus zu bestellen. Alles muss über den Kreisführer geregelt werden. Im Frühjahr wird noch die Zahl der Helferinnen auf 48 aufgestockt. Kleidung ist allerdings noch keine vorhandenmüssen Geduld haben, fügt der Wehrführer handschriftlich hinzu. Es gibt keine Beförderungen mehr während des Krieges, es gibt auch kein Benzin mehr für Übungszwecke. Auch der 20. Juli 44 hatte Betätigung für die Wehr, wenn gleich wohl niemand den Zusammenhang kannte, ein Streifendienst vermutlich an der Landstraße (R 3) war zur Ergreifung des „flüchtig gegangenen Oberbürgermeisters Dr. Gördeler „auf Anordnung am 04.08.44 gebildet worden. Am 09.08.44 war die Wehr mit Motorspritze und 15 Mann beim Überlandeinsatz in Weitenung- brennende Häuser durch ein abgestürztes deutsches Flugzeug- wobei 50 Liter Vergaserkraftstoff verbraucht wurden. Dieser Treibstoff wurde bei der Tankstelle Wilhelm Heim bezogen. Am 17.8. erhält die Wehr 10 Sondertankausweiskarten zu je 5 Liter sowie eine solche für 2 Liter Motorenöl ! Einer FWHelferin aus Sinzheim wird für ihren Einsatz in Weitenung eine besondere Anerkennung zuteil. Im August ergeht eine Anweisung des Kreisführers, welche Fahrzeuge die Motorspritze zu transportieren haben: Josef Göhringer u. Franz Hörth oder die KFZ von Rauch Söhne oder Sinner AG. Reparaturen an Kraftspritzen sind an die Fa. Keller in Steinbach zu melden, da diese sie beheben kann – Kreisführer am 04.09.44. Am 9.9. kommt ein Schreiben der NSFrauenschaftsleitung mit der Bitte einen besonderen Dank den Kräften der weiblichen Feuerwehr auszusprechen für ihren Einsatz in Weitenung. Das letzte Kriegsjahr begann mit der Überlandhilfe (Bombenangriff) in Achern mit 12 Mann. Hierfür wurden Tankausweiskarten der Tankstelle Rest in Oberachern und Jäger in Bühl ausgestellt. Über deren Tätigkeit oder Einsatz ist nichts hinterlegt. 35 Feuerwehrmänner und 4 Helferinnen waren nach dem Angriff auf den Bahnhof am 04.03.45 im Einsatz. Am darauf folgenden Tag wird das Tragen der (weisen) Drillichanzüge wegen der Fliegergefahr untersagt - der „Älteste Rock” genügt! Ein weiteres Schreiben des Wehrführers ist eine schwere Rüge für das Fernbleiben vieler FWAngehöriger, insbesondere der Helferinnen. Diese müssen bis zum 16.3.45 eine schriftliche Belehrung durch Unterschriftsleistung annehmen. Insgesamt 44 Frauen unterschreiben diese Erklärung, zwei unterschreiben nicht (wohl nicht im Ort anwesend) und zwei sind im Einsatz gewesen!!! Am 13. April erfolgt der Einmarsch der französischen Streitkräfte, zumindest für Sinzheim ist der Krieg mit seinen Kampfhandlungen beendet. Nicht beendet sondern am Anfang stehen seine Folgen und Auswirkungen und vor allem seine tragischen Auswirkungen auf die Menschen und deren Familien. Der Wehrführer geht in seinem Schreiben an alle Wehrangehörigen zur Tagesordnung über -ohne ein Gefühl zu zeigen - er teilt mit: dass der Waffenstillstand eingetreten ist, die Alarmierung wieder über die Sirene erfolgt, an den Uniformen alle Hoheitsabzeichen u. H.Kreuze zu entfernen sind. Der militärische Gruß wird wieder eingeführt- das jetzt über Jahre erklungene Heil Hitler ist verstummt, Befehle werden aufgehoben, die ausgegebenen Faschinenmesser sind dem Kommandanten zurückzugeben usw. Das Gerätehaus wurde nicht versetzt, sondern befindet sich nur in einer neu benannten Straße - der Kriegsstraße. Bei der Probe am 03.06.45 waren 26 Anwesend und 37 fehlten (warum auch immer -jedenfalls gehen keine Schreiben des Kommandanten an, diese sich zu rechtfertigen, wie dies in den zurückliegenden Jahren geschah) Am 01.7.45 gibt es einen Waldbrand auf dem Fremersberg, bei dem eine Holzhütte abbrennt - der Transport der Wehr erfolgt komfortablerweise mit Lastwagen der Besatzungsmacht! (40 Mann) Am 04.07.45 erfolgt eine Inventur der Geräte:

1. eine vierrädrige Saug- u. Druckspritze Fabrikat: Kurtz ca. 60 Jahre alt

2. eine Motorspritze tragbar, auf Lafette aufgesetzt, Fabrikat Metz Motor: Breuer 400 Ltr. Baujahr 19 30

3. eine mech. Leiter Fabrikat: Metz Steighöhe 13 m Baujahr  1930

4. 2 Ausziehleitern m. je 12 m Steighöhe Fabrikat Metz 1930

5. 1 vierrädriger Rettungswagen m. vier Berliner Hakenleitern, für Mannschaftszug, Metz, geliefert 1930

6. 2 Schlauchwagen m. Zubehör Lieferant Fa. Schember Freiburg 1908

Als Schlauchmaterial gibt es noch 100 m B- und 200 CSchlauch. Am 17. Juli 45 brannte das Wohnhaus des Willi Ernst an der Landstraße nieder, der Alarm wurde verspätet gegeben, da die Franzosen die Landstraße unsicher machten. Am 03.08.war wieder ein Waldbrand mit französischer Beteiligung (LKW). Am 28.10. fand die erste Besprechung der Führungskräfte der Wehr statt. Der Personalbestand zu dieser Zeit waren: 79 Aktive, 18 Reserve, 54 Hilfsfeuerwehrleute und 47 Helferinnen. 35 Feuerwehrleute waren gefallen oder gelten als vermisst oder befanden sich noch in Gefangenschaft. Aus diesem Personal waren zu entlassen: alle Helferinnen und Hilfsfeuerwehrmänner , die Reservefeuerwehrmänner und 35 überalterte Wehrmänner. 13 Wehrmänner melden sich einzeln, schriftlich ab, weitere 26 tun dies auf einem gemeinsamen Schreiben. Bei einem Autobrand am 03.12.45 gab es Sabotage an der Spritze. Von Bühl rückte der motorisierte Löschzug an, konnte aber ohne tätig zu werden wieder abrücken. Im November 45 fordert der Landrat Dr. Edwin Grüninger eine Stellungsnahme der Gemeinde Sinzheim zur Entnazifizierung von Feuerwehrangehörigen und seines Kommandanten an. Am 28.01.1946 findet beim Kameraden Samuel Ernst -Kronenwirt - der erste Unterrichtsabend nach Kriegsende statt. In einem Schreiben an den neuen Kreisfeuerwehrführer Franz Graf in Achern vom 10.2.46 teilt der Sinzheimer Wehrführer Martin Hillert seinen Austritt aus dem aktiven Feuerwehrdienst mit. Er beruft sich auf seinen angegriffenen Gesundheitszustand. Gleichzeitig übergibt er die Führung der Wehr an den Stellvertreter Löschmeister Rudolf Lorenz. Ohne Zweifel ist er damit einer öffentlichen Enthebung auf Grund seiner Zugehörigkeit zu NS-Organisationen und seines autokratischen Führungsstiles zuvorgekommen. Stellvertreter wird Adolf Peter. Auf einem französischen Fragebogen wird die Zugehörigkeit der neuen Feuerwehrmänner zu militärischen Formationen, ihre Dienstgrade usw. hinterfragt. Die 53 Sinzheimer gehörten überwiegend dem Mannschaftsstand an, einige waren Unteroffiziere und einer Oberfeldwebel. Ranghöchster war der spätere Kommandant Alfons Walter als einziger Offizier, dem Landrat Grüninger sein Bleiben in der Wehr bestätigte. Einem ehemaligen Feldwebel wurde amtlicherweise die Zugehörigkeit zur Feuerwehr untersagt, da er aktiver Angehöriger der ehemaligen Wehrmacht war. Im März werden Feuerwehr-Kennkarten auf Anordnung der Militärregierung ausgestellt, diese werden vollständig im Sommer 2006 an die Feuerwehr Sinzheim übergeben. Bis dahin befanden sie sich noch im FW-Gerätehaus Achern, wo auch der Dienstsitz des damaligen Kreisbrandmeisters war. Im April 1946 wurden 29 Ehrenmitglieder geführt - alle die dreißig Jahre oder mehr aktiven Dienst leisteten, wurde diese Ehre zuteil. Darunter befand sich der bisherige Kommandant Hillert, seine früheren Stellvertreter Josef Boos, Karl Nesselhauf,Wilhelm Seifermann und Musikmeister Steibing. Am 27.10.46 gab es die erste Spätjahrsübung nach dem Kriege, hierfür war die Genehmigung der franz. Kommandantur erforderlich. Im gleichen Jahr fand auf Anordnung der neuen Machthaber eine Erfassung des Personals und der Geräte statt- auf einem französischen Formular wohl bemerkt. Wenn man die Listen früherer Jahre zum Vergleich nimmt, ist es im Wesentlichen, das gleiche wie Jahrzehnte zuvor - außer der inzwischen 15 Jahre alten Spritze. Zwischen dem 20.08. und 28.09.46 wird Rudolf Lorenz zum Kommandanten ernannt. Dies dürfte durch den Landrat Dr. Edwin Grüninger erfolgt sein. Dieser wiederum teilt dem Bürgermeister von Sinzheim schriftlich am 12.09.46 weitere drei Feuerwehrmänner mit, die umgehend aus dem Feuerwehrdienst zu entfernen sind. Auf Grund des Entnazifizierungsausschusses sind sie für den Feuerwehrdienst untragbar. In diesem Monat wird erstmals wieder ein Lieferauftrag erteilt, um dringend benötigte Armaturen zu erhalten. Der Landrat genehmigt mit Dienstsiegel eine erste Versammlung der Feuerwehr nach dem Kriege am 26.01.1947 - diese muss allerdings auf 02.02. verlegt werden. Der Grund hierfür - die Räume des Gasthauses Ochsen waren - von der Besatzungsmacht für einen Unterhaltungsabend eines Kriegsgefangenlagers requiriert. Diese Versammlung musste auch vom Französischen Platzkommandant genehmigt werden. Der Zustand der Uniformen und des Schuhwerkes ist besonders beklagenswert,wie der Kommandant nach Bühl meldet, viele Kameraden ist eine ordentliche Teilnahme fast nicht mehr möglich. Im November 47 beginnt ein Kampf mit den Behörden um die zwingend erforderliche Beschaffung einer leistungsfähigen Motorspritze TS 8 mit entsprechendem Anhänger. Bürgermeister Walter vertritt mit Energie die berechtigten Belange der Feuerwehr. Die Beauftragung zu Lieferung geht an die Fa. Metz in Karlsruhe. Diese soll auch 10 Festmeter geschnittenes (18, 24, u. 35 mm) Rundholz erhalten. Die Spritze mit Anhänger (TSA) soll ab Januar 48 zu Abholung bereitstehen. Gleichzeitig ist die alte TS 4 mal wieder in Reparatur bei der gleichen Firma, diese wird am 13.12. abgeholt. Aber wo bleibt die ersehnte Neue? Am 22.12.47 wendet sich Bürgermeister Walter wieder an das Bad. Wirtschaftsministerium Abt. Interzonenhandel, um eine Freigabe zu bekommen. Am 13.1.48 kommt ein Schreiben mit Preisangabe 4350.- RM und dem Hinweis, dass die Geräte zur Auslieferung vorgesehen sind. Den wesentlichen Schriftverkehr hierfür führt der spätere Kommandant Alfons Walter in seiner Funktion als Verwaltungsbeamter u. Schriftführer der Wehr, er schaltet auch den Kreisbrandmeister Hehn in das Geschehen ein. Ein Brand in Kartung, bei dem sowohl das Wohnhaus, wie auch das landwirtschafte Gebäude abbrannte, zeigte das Fehlen leistungsfähiger Geräte, wie auch die inzwischen unbrauchbaren Geräte und Armaturen, der nicht mehr einsatzbereiten Löschmannschaft in diesem Teilort. Der ausgedehnter Schriftwechsel geht weiter- Metz liefert nicht! Kreisbandmeister Hehn und Alfons Walter sind persönlich beim Ministerium in Freiburg, um die Freigabe für den Handel aus der amerikanischen in die französische Besatzungszone zu bekommen. Ohne Erfolg! In der Zwischenzeit ist die TS 4 zweimal defekt und die Wehr praktisch nicht mehr einsatzbereit. Mit „Bordmitteln”wird das gute Stück nach einiger Zeit (Wochen z.b. 17.7.-31.8.48) wieder einsatzbereit. Inzwischen kündigt sich die Währungsreform an. Metz ist nun, nachdem die Genehmigungen vorliegen, nicht mehr interessiert zur alten Währung zu liefern. Selbst der Badische Staatspräsident Leo Wohlleb wird in der Sache informiert. Am 17.9.48 teilt Metz mit, dass sie jetzt zum Verkauf bereit wären. Alfons Walter teilt wenige Tage danach Metz mit, dass die Gemeinde Sinzheim nicht über die erforderlichen Mittel verfügt und die Sache auf längere Zeit zurückgestellt werden muss. Das Jahr 1948 beginnt nach vielen schweren und entsagungsreichen Jahren mit einem Kameradschaftsabend am 03.01.1948 im Ochsensaal. Es findet eine Jahreshauptübung statt. Tragisch ist der Tod von zwei Feuerwehrmännern, die bei Unfällen in ihren landwirtschaftlichen Betrieben tödlich verunglücken (12.8. u. 29.9.48). Der Oberbefehlshaber von Deutschland ordnet an, dass die Ausweise für Feuerwehrangehörige wegen Missbrauch zurückzugeben sind. Erhebungen des Mannschaftsstandes, der Geräte, Etablierung einer neuen (Süd) Badischen Feuerwehrschule, Dienstgradordnung, Gasmaskenbeschaffung Modell 1930 usw. zeigen das Wiedererwachen des deutschen Behörden(un)wesens. Manches, das da über die Feuerwehren kam, war entbehrlich, wenn man all die anderen zu dieser Zeit ungelösten Probleme einer Feuerwehr betrachtet. Vergleicht man den Übungsplan vom 12.7.48 mit dem des Jahres 1930 erkennt man keinen Unterschied- es ist wirklich noch alles bei ALTEN, nur die Mannschaft ist eine andere. In einem sehr ausführlichen Schreiben an das Bad. Innenministerium schildert Bürgermeister Peter am 29.10.49 den unzulänglichen Ausrüstungszustand der Feuerwehr seiner Gemeinde. Unter anderem sind vier der Ortsteile noch ohne Wasserversorgung. Die Tiefbrunnen, die nur begrenzt vorhanden sind, können von der vorhandenen Pumpe nicht mehr benützt werden. Auch ist im Hauptort der Druck auf den Trinkwasserleitungen deutlich zurückgegangen (Inkrusttation u. verrostete Armaturen). Beigefügt ist ein Beihilfeantrag der Gemeinde zur Beschaffung einer TS mit TSA. Am 21.2.1950 ist es so weit, die seit Jahren ersehnte Spritze mit Anhänger wird geliefert. Die Rechnung über 4.574,85 DM folgt am 28.2.50 nach. Ob es danach ein Fest gegeben hat ? Hierüber schweigt das Archiv! Diese TS 8 mit Breuermotor befindet sich heute noch als „Museumsexponat” im Besitz der Feuerwehr. Schon kurze Zeit danach, am 20.3.50, setzt Bürgermeister Peter mit einem weiteren Antrag auf Förderung des Feuerlöschwesens nach. Bei der Sinzheimer Automobilwerkstätte Seiler steht ein geeignetes Fahrzeug Mercedes Benz Typ 260 Baujahr 1943 2T, das sowohl die Pumpe, wie auch 15 Feuerwehrmänner transportieren kann. (Vermutlich handelt es sich hierbei um einen ehemaligen Funkwagen der Wehrmacht). Dieses Fahrzeug wurde am 10.08.1950 erworben und mit der Bezeichnung Mannschaftswagen versehen und erscheint schon auf der nächsten Inventurliste, die nach Achern gemeldet wird. Leider konnte trotz aller Bemühungen kein Foto dieses Fahrzeuges gefunden werden. Für die 1950 erworbene TS werden bereits am 2.7.51 Ersatzteile benötigt. Am 16.11.51 wird eine Reparatur erforderlich, wozu ein Monteur von Karlsruhe per Bahn anreist. Die Reise- und Wartezeit betrug 5 Stunden, die eigentliche Reparatur eine Stunde. Garantiebestimmungen waren damals noch fremd – alles musste bezahlt werden. Im November 53 ist die Pumpe wieder defekt - Metz bezeichnet das Gerät in einem Schreiben als „Kriegsausführung” und bietet günstige Konditionen für einen Neukauf an! Zu diesem Zeitpunkt ist die Pumpe zweieinhalb Jahre alt und hat nach Angaben des Kommandanten Lorenz höchstens 30 Betriebsstunden. Die Leistung der Pumpe beträgt nur noch 650 Liter Wasser. Über das in der Zeit vom 5.11.1950 bis zur am 22.2.1953 abgehaltenen Generalversammlung Geschehene wird berichtetet, die Kasse geprüft und der Verwaltungsrat ergänzt. Und gerade dieser „Ergänzungswahl” gehört unsere besondere Aufmerksamkeit - gewählt wird Wilhelm Schneider (Schlauchwagen), der dem Verwaltungsausschuss und später durch Namensänderung bzw. Gesetzesänderung Feuerwehrausschuss genannt, 39 Jahre als immer wieder gewähltes und damit stimmberechtigtes Mitglied angehört. Nach seiner Ernennung zum Ehrenmitglied der Feuerwehr Sinzheim 1996 gehört er bis heute 53 Jahre diesem Entscheidungsgremium stimmberechtigt oder beratendan. Etwas für die Mystiker - er ist damit 11 Tage länger Feuerwehrentscheidungsträger als der Autor dieser Chronik alt ist. Zum 06.03.1954 findet eine Generalversammlung statt, an der neben Bürgermeister Peter auch Ehrenkommandant Martin Hillert teilnimmt. Nichts außer diesem Protokoll finden wir, dass es einen Ehrenkommandanten Hillert gab, zumindest in den vorhanden schriftlichen Aufzeichnungen ist weiter kein Beleg vorhanden. Auch die Festschriften 1957 und 1882 erwähnen dies nicht bzw. haben dies nicht erkannt. Es gibt zwar aus diesen Jahren nach 1946 viel Papier, diese sind im Wesentlichen aber mehr der, einer Vereinstätigkeit zuzusprechen. Einladungen anderer Wehren und örtlicher Verein wie auch Sterbezettel ergänzen dies. Die wenigen Schreiben mit Feuerwehrtechnischem Inhalt zeigen, auch ohne Namensnennung, die Federführung des späteren Kommandanten Walter. Die Jahre 1954 -1958 sind zumindest innerhalb des Feuerwehr - Archiv. Wesentliche Unterlagen befinden sich im Gemeinde-Archiv. Es sind die Einsätze registriert, 38 Männer werden für 25 Jahre Dienstzeit geehrt (Nachholbedarf). Es finden wieder Kameradschaftsabende statt, an denen der Musikverein Sinzheim für musikalischen Wohlklang sorgt. Der ehemalige Kommandant Martin Hillert verstarb im Dezember 1956. Umfangreich und vollständig sind die, Akten des Festes zum 75-jährigen Gründungsfest am 6.-8. Juli 1957. In diesem Jahr wurde eines der größten Feste in Sinzheim begangen. 56 Feuerwehren und Vereine, 4 Musikkapellen, 4 Spielmannszüge und ein Fanfarenzug beteiligten sich am Festzug.

Zu diesem Fest kommen auch eine größere Anzahl Männer und Musiker der Sapeurs-Pompiers aus Offenheim im Elsaß. Am 06.07.58 statten die Sinzheimer einen Gegenbesuch ab, an dem sich neben dem neu entstandenen Spielmannszug, auch der Musikverein Sinzheim beteiligt, insgesamt 200 Personen. Schriftführer Johann Zeitvogel muss einen lebhaften Schriftverkehr führen, insbesondere weil die Feuerwehr in Uniform die Grenze passieren möchte. In den Feuerwehrakten der Gemeindeverwaltung befindet sich ein ausgedehnter Schriftwechsel mit der Fa. Metz der mit dem Auftrag zur Lieferung einer neuen Spritze am 26.10.1954 endet. Die Fa. Metz gewährt einen außerordentlichen Preisnachlass von DM 500,- übernimmt den Umbau des TSA für die neue Spritze und die Beschriftung des Anhängers. Hinzu kommt auch die Reparatur der Breuer TS, wobei Metz eingesteht, dass der Motor von Anfang an zur Beanstandungen Anlass gab. Am November 1954 wird die neue Tragkraftspritze mit 28 PS VW-Motor geliefert. Im Mai 1957 wurde eine moderne Trockenringentlüftungspumpe eingebaut die das Gemeindesäckel kaum belastet- sondern hauptsächlich von Metz getragen wurde. Dieser Anlass wurde genutzt auch die Breuer TS wieder instandsetzen zu lassen. Zumindest im Festjahr 1957 hatten die Sinzheim drei funktionierende Motorspritzen. Bald nach dem Fest laufen die ersten Bemühungen, um ein den örtlichen Erfordernissen gerecht werdendes Feuerwehrfahrzeug. Auch der Kreisbrandmeister Hehn, der gleichzeitig auch Landesbrandmeister (Südbaden) ist, unterstützt die Sinzheimer Bemühungen. Allerdings gehen die Meinungen welcher Typ der richtige ist - deutlich auseinander. Am 19. Juni 58 wird ein Beihilfeantrag gestellt, mit dem Ansinnen ein Tanklöschfahrzeug 16 zu beschaffen, dies wird begründet mit den Filialorten die teilweise noch keine Wasserversorgung haben, mit externen Gebäuden und den Waldungen sowie dem Steinbruchbetrieb von August Peter. Neben Budget-Angelegenheiten wird auch die Personalstärke der Wehr mit 54 Mann angegeben. Am 16.1.1960 steht mal wieder eine Reparatur des Mannschaftswagen an, Bürgermeister Zoller lehnt dies mit der Begründung ab, dass in den vergangenen vier Jahren rund 5000 DM für dessen Instandhaltung bzw. Reparaturen ausgegeben wurden. Da bereits eine beachtliche Rücklage für ein neues Fahrzeug besteht, sollte unbedingt an dessen Beschaffung gegangen werden. In der Gemeinderatssitzung am 4.2.60 wird die Reparatur nochmals beschlossen. In dieser Sitzung wird auch eine Kommission des Gemeinderates gebildet, die zusammen mit dem Fachberater Architekt Bigott den Zustand des Feuerwehrgerätehauses prüfen soll. Ebenso soll diese Kommission prüfen, ob es ein zweckmäßiges Baugrundstück gibt, das sich für den Neubau eines Gerätehauses eignet. Dieser Kommission gehört auch der zurückgetretene Kommandant Rudolf Lorenz als 1. Stellvertreter des Bürgermeisters an. Was also die Beschaffungen anbelangt, sieht es für die damalige, noch von den Kriegs bzw. Nachkriegsereignissen geprägte, Zeit recht gut aus. Aber wie ist es um die Feuerwehr mit ihrem Hauptkapital dem Feuerwehrmann bestellt? In der Generalversammlung am 22.3.1953 wird Rückblick auf ein erfolgreiches Jahr gehalten, die Zeit seit Kriegsende wird im Rückblick betrachtet. Was aber in allen Dokumenten fehlt, ist eine Erfassung und Ehrung, der im Kriege gefallenen und vermissten Feuerwehrkameraden. Von sieben gefallenen Kameraden liegen schriftliche Unterlagen vor, da die damals bestehende Sterbekasse in Anspruch genommen wurde. Zwei Feuerwehrmänner gelten als vermisst, einer davon wird, wohl aus vermögens - oder sozialrechtlichen Gründen 1957 für tot erklärt. Aber dies erhebt bei fast 100 Kriegsteilnehmern keinen Anspruch auf Vollständigkeit. In den fünfziger Jahren wären die Namen der gefallenen und vermissten Feuerwehrmänner noch erfassbar gewesen. Zu Ende der fünfziger Jahre gab es einige Probleme innerhalb der Wehr, die auch dem damaligen Kreisbrandmeister Hehn nicht vorenthalten blieben. Von diesem und seinem Stellvertreter wurde empfohlen, auf Grund der gerätemäßigen und personellen Verhältnissen innerhalb der Feuerwehr Sinzheim, von der Anschaffung eines Feuerwehrfahrzeuges abzuraten. Es gibt über weitere „Missstände” ein ausführliches Protokoll in den Gemeindeakten, wobei allerdings der Protokollant manches diplomatisch elegant verschlüsselte. Somit ist manches schwer nachvollziehbar, weil einfach die Fakten fehlen. Auch der damalige Bürgermeister ist in die Problemsituation eingebunden. Am 17. März 1960 erklärt der Kommandant Lorenz auf Grund des Misstrauensverhältnisses und den Vorkommnissen der zurückliegenden Verwaltungsratssitzung am 12.03.60 seinen Rücktritt. In der auf 02. April 1960 einberufenen Generalversammlung wurde Alfons Walter, Gemeindeinspektor u. Ratschreiber, mit überwältigender Mehrheit zum neuen Kommandanten der Freiwilligen Feuerwehr Sinzheim gewählt.

Freiwillige Feuerwehr Sinzheim 1960 bis heute

Damit beginnt für die Feuerwehr Sinzheim ein neues Zeitalter. Die jetzt folgenden Kommandanten sind auch ganz anderen Anforderungen ausgesetzt die ein hohes Maß an professionalem Denken voraussetzt. In diesen siebenundvierzig Jahren sind es drei Kommandanten, die die Feuerwehr Sinzheim prägen. Mit Alfons Walter beginnt ein Neuanfang der Wehr, er ist ohne Zweifel der Wegbereiter in eine neue Zeit. 1961 wird das erste „Feuerwehrfahrzeug” ein LF 16 angeschafft, das eine große finanzielle Herausforderung für die Gemeindefinanzen darstellt. Zu den gebildeten Rücklagen und dem Zuschuss wurde ein außerordentlicher Holzhieb in den Gemeindewaldungen zu dessen Finanzierung vorgenommen. Die Entscheidung für den Erwerb dieses Fahrzeuges erfolgte gegen die Vorgabe des damaligen Kreisbrandmeisters Hehn, der ein kleineres und weniger leistungsfähiges Fahrzeug vorschlug. Für die Richtigkeit der Sinzheimer Entscheidung gibt es nur ein Argument - die langjährige und absolut problemfreie sechsundzwanzigjährige Dienstzeit dieses Fahrzeuges. Es wurden in vier Teilorten Löschgruppen gebildet, die in die Feuerwehr eingebunden sind. Der Materialbestand der noch vorhandenen, ungeordneten Löschformationen in diesen Ortsteilen hatte längst nur noch „antiken” Wert und die Teilnahme an deren „Übungen” ging in manchen Teilorten auf 3 Personen zurück. Und diese 1961 bis 1968 gegründeten Löschgruppen sind heute mehr als damals ein unverzichtbarer Teil der Feuerwehr Sinzheim. Beim Einsatzstab des Luftschutzhilfsdienstes in Freiburg erhält Alfons Walter für die Feuerwehr auf seine eindringliche Fürsprache ein Tanklöschfahrzeug TLF 8 auf Unimog-Basis, das ab 24.2.1964 bis 1974 eine wertvolle Bereicherung der Sinzheimer Feuerwehr darstellte. Der größte Erfolg seiner Amtszeit ist ohne jeglichen Zweifel der Bau des neuen Feuerwehrgerätehauses 1968 in der Nowakistraße. Eine für die damalige Zeit viel beachtete Baumaßnahme, die vielen Kommunen und ihren Feuerwehren eine wesentliche Hilfe und Vorgabe war, bei der Planung ihrer Bauvorhaben. Bis dass der erste Spatenstich getan werden konnte,war es ein langer und beschwerlicher Weg, der bereits ab 1960 begangen wurde. Alfons Walter wird 1965 mit 122 Stimmen bei 2 Enthaltungen wiedergewählt. Durch den Kreisbrandmeister des Landkreises Bühl Heinrich Glaser wurde Alfons Walter am 14. Juli 1968 als erster Sinzheimer Feuerwehrmann mit dem Deutschen Feuerwehr- Ehrenkreuz in Silber ausgezeichnet. Seine Stellvertreter waren bis zum März 1962 Adolf Peter und danach Werner Faber. In einem großen Rahmen wurde 1970 der Kreisfeuerwehrtag des Landkreises Bühl mit den Leistungsübungen begangen. Das dies der letzte dieses Landkreises sein sollte, erwies sich erst später. Schon vorher hatte Alfons Walter seine Absicht erklärt, danach das Amt des Kommandanten nicht mehr weiter zu bekleiden. Am 06. Dezember wurde Gebhard Huck zum neuen Kommandanten der Wehr gewählt. Waren die Kommandanten bisher meist aus dem Bereich der Verwaltung, so stand jetzt ein junger Mann mit 33 Jahren an der Spitze der Wehr, der als Maschinenbaumeister ein hohes Maß an technischem Wissen und Können in dieses Amt einbrachte. Mit dem 1972 zu seinem Stellvertreter gewählten Wilhelm Schneider begann die feuerwehrtechnische Aufbauphase der Feuerwehr Sinzheim. Vier Tragkraftspritzenfahrzeuge wurden beschafft, 1974 kam ein Tanklöschfahrzeug 16/24, 1975 ein Mannschaftstransportwagen, 1977 eine Drehleiter DL 22 (16/4) und 1981 ein Rüstwagen auf U-1300 Fahrgestell neu hinzu. 1987 wurde das LF 16 aus dem Jahre 1961 durch ein neues ersetzt. Dank der großen Unterstützung durch den damaligen Kreisbrandmeister Oskar Stahlberger konnte 1992 für Leiberstung ein Löschgruppenfahrzeug 8/6 der neuesten Generation beschafft werden. Im September 1993 übereignet der Sinzheimer Rechtsanwalt Herbert Oeking sein Privatfahrzeug, das schon den richtigen RALTon besitzt, der Feuerwehr als Führungskraftwagen. Auch der 2001 ausgelieferte Einsatzleitwagen wurde noch in seiner Amtszeit bestellt. Was heute wie selbstverständlich anzusehen ist - war 1973 eine große Neuerung die Einführung der Funksprechgeräte. Sowohl das Gerätehaus wie auch die Fahrzeuge, wurden jetzt damit bestückt. Hinzu kamen Handfunkgeräte für die Einsatzkräfte. Gleichzeitig begann das Zeitalter der „Stillen Alarmierung”. Nicht mehr die Sirenen riefen die Wehrmänner, sondern kleinere Funkempfänger, die unauffällig mitgetragen werden konnten. Der Schutz des Feuerwehrmannes wurde deutlich erhöht durch Einführung der Atemschutzgeräte und der damit verbundenen weitergehenden Ausbildung. Bedeutend und sehr umfangreich waren in dieser Zeit die Veränderungen an den Gerätehäusern. Die Ortsunterkünfte in Winden und Müllhofen wurden komplett erneuert. In Leiberstung entstand ein neues Gerätehaus, das den heutigen Anforderungen gerecht wird. Der größte „Brocken” war allerdings der Umbau und die Modernisierung des Sinzheimer Gerätehauses. Beide große Baumaßnahmen, in Leiberstung wie auch in Sinzheim, wurden mit bedeutendem Zuschuss des Landes Baden- Württemberg gefördert, wofür sich der damalige Kreisbrandmeister Stahlberger wiederum besonders einsetzte. In fünf Wiederwahlen wurde Gebhard Huck mit eindeutigem Vertrauensbeweis in seinem Amt bestätigt, bis er aus Altersgründen 2001 seine Kommandantentätigkeit beendete, um auch weiterhin bis zum Erreichen der Altersgrenze als aktiver Feuerwehrmann in seiner Feuerwehr mitzuwirken. Auf Antrag des Feuerwehrausschusses wurde Gebhard Huck auf dem Neujahrsempfang der Gemeinde Sinzheim am 08.01.2002 von von Bürgermeister Hans Metzner zum Ehrenkommandanten ernannt. Zwanzig Jahre stand ihm Wilhelm Schneider als Stellvertreter zur Seite, ab 1992 Peter Velten. Vielfältig sind die Ehrungen die Gebhard Huck und seinem langjähriger Stellvertreter Wilhelm Schneider zuteil wurden. Mit der Generalversammlung am 10. März 2001 begann, wie nach jedem Führungswechsel, Neues. Kommandant wurde Jürgen Segewitz, seit über zwei Jahrzehnte eine verlässliche Stütze unserer Feuerwehr, was auch für Andreas Schmidt gilt, der an diesem Tage zum 2. Kommandanten-Stellvertreter gewählt wurde. Dem ging eine Änderung der Feuerwehrsatzung voraus, wobei die Position eines weiteren Stellvertreters (wieder) neu geschaffen wurde. Vom Kommandanten wurde nicht nur der Begriff FührungsTeam geprägt, sondern von ihm auch innerhalb dessen, die entsprechenden Aufgaben zugeordnet. Nach über fünf Jahren praktizierter Teamarbeit hat dieses Modell seine Alltagstauglichkeit mit der Note: Sehr Gut bestanden. Die Ersatzbeschaffung für das in die Jahre gekommene Tanklöschfahrzeug war eine der vordinglichsten Aufgaben für den Kommandanten, seine Stellvertreter wie auch den Feuerwehr-Ausschuss. Nach umfangreichen Vorarbeiten, Mühen und Gesprächen konnte dieses Fahrzeug der neuesten Generation im Juli 2004 seinen Platz im Gerätehaus einnehmen. Die Fahrzeugweihe wurde mit dem Tag der offenen Tür im Gerätehaus in einem würdevollen Rahmen begangen. Bereits im Jahr zuvor war es dem Kommandanten gelungen, nach intensiven Gesprächen mit dem Kommandanten Karl Steimer der Werksfeuerwehr DaimlerChrysler in Rastatt, den Weg vorzubereiten, damit die Gemeinde Sinzheim deren Drehleiter DLK 18 käuflich erwerben konnte. Die bisher vorhandene Drehleiter hatte leider keinen Korb und war hierdurch zur Rettung sehr eingeschränkt. Am 05. Februar 2004 hatte die - Neue - bei einem Wohnhausbrand in Müllhofen ihren ersten “heißen” Einsatz auf Sinzheimer Gemarkung. 2005 geht der Fahrzeugwechsel weiter - der Führungskraftwagen BMW 730 i wird Mitglied in einem BMWOldtimer- Club und sein Nachfolger wird ein Mercedes Model A 170 D, wiederum aus dem Bestand der Werksfeuerwehr DaimlerChrysler in Rastatt. Auch das Jahr 2006 ist insbesondere für den Kommandanten, seine Stellvertreter wie auch für den Feuerwehr-Ausschuss geprägt Ersatzbeschaffungen für die beiden Löschgruppen in Halberstung und Winden vorzubereiten. Beide dort vorhandenen Tragkraftspritzenfahrzeuge sind aus dem Jahr 1973 und entsprechen in keinem Kriterium mehr den heutigen Erwartungen. In dankenswerter Weise hat unserer Bürgermeister, die Gemeindeverwaltung, wie auch die Damen und Herren des Gemeinderates all die Belange der Feuerwehr anerkannt und unterstützt. Dies unter Berücksichtigung der eingeschränkten Haushaltsmittel. Dieser Dank wäre zumindest unvollständig, wenn man den Kreisbrandmeister Manfred Tremmel hier nicht mit einbeziehen würde. Die Anschaffung des modernen LF 16/20 2004 wie auch der beiden Ersatzfahrzeuge für Halberstung und Winden 2006/2007 sind mit seiner wesentlichen Mithilfe erfolgt. Das bevorstehende Jubiläumsjahr 2007 wird den geeigneten Rahmen bilden, für die Segnung und Übergabe der beiden Fahrzeuge an die Löschgruppen. Wie schnell fünf Jahre vergehen bzw. vergangen sind, wurde auf der Generalversammlung am 11. März 06 deutlich - Jürgen Segewitz und Andreas Schmidt standen zur ersten - erfolgreichen - Wiederwahl an.

zurück zum Seitenanfang »