Ehemaliges Gerätehaus

Alte Ortsansicht von Sinzheim, colorierte Ansichtskarte wohl zu Beginn der dreißiger Jahre. Vor dem Turm der Pfarrkirche kann man den Schlauchtrockenturm des alten Feuerwehrhauses (Spritzenhaus) erkennen.

Bis 1970 war dies das Domizil der Sinzheimer Feuerwehr, in diesem Jahr erfolgte der Umzug in das neu erbaute Gerätehaus. Nach verschiedenen nachfolgenden Nutzungen wie Betriebsgebäude der Gemeindewerke, Ortsunterkunft des Deutschen Roten Kreuzes Ortsverein Sinzheim und heute Lagerraum der Gemeinde, besteht dieses Gebäude heute noch in seiner ursprünglichen Bauform.

Dieses heute noch im Sprachgebrauch der Sinzheimer das „alte Feuerwehrhaus” genannte Gebäude wurde 1903 erbaut, noch vor dem Bau der damaligen Gewerbeschule nebenan (1904). Lediglich der Schlauchtrockenturm wurde 1971 abgetragen, da hierfür keine Verwendung mehr bestand und dessen Verwahrungen undicht geworden waren.

Eines der Tore wurde entfernt und durch eine feste Wand ersetzt, um Lagerraum für die Gemeindewerke zu gewinnen. Eine umfangreiche Raumeinteilung, wie wir sie von den heutigen Gerätehäusern kennen, gab es damals noch nicht. Es war eine große Halle mit einer kleinen Werkstatt, versehen mit mehreren großen Holztoren, die auch den meisten unserer heutigen Fahrzeuge, bedingt durch die schon beim Bau vorgegebenen Maße für Einfahrtbreite, Höhe, wie auch die Stauraumlänge, eine Unterbringung ermöglichen würde. (Dies ohne den Maschinisten eine besondere Befähigung abzuverlangen.) Im Innern bestanden, für heutige Verhältnisse karge Zustände. Es war unbeheizbar, ein Unterrichts-, Sitzungszimmer oder Ausbildungsraum war nicht vorhanden und auch räumlich nicht möglich. Die sanitären Anlagen beschränkten sich auf die außerhalb in der Gewerbeschule gelegenen Toiletten. Ein Funkraum, ein Atemschutzraum, Duschen, Funktionsräume usw.waren noch gänzlich unbekannt. Im Haus selbst war nicht einmal ein Waschbecken vorhanden. Die mangelnde Frostsicherheit wurde noch in den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts bemängelt, als Wasserversorgungsarmaturen der Gemeindewerke 2 Meter hinter den Toren durch diesen beschädigt wurden. Schon in den Jahren vor dem 2. Weltkrieg kam es zu Problemen mit der Sinzheimer Schuljugend. So beklagt sich der damalige Führer der Wehr Hillert über die fast tägliche Unordnung auf dem Schulhof vor dem Gerätehaus. Insbesondere das Brennholz für die Schulfeuerung lag ungeordnet auf der Ausfahrt des Gerätehauses umher. Daraufhin wandte sich der Wehrführer an den Schuldiener Link und erhielt von diesem die Antwort - er sei krank und könne nichts unternehmen. In einem Brief an den Bürgermeister vom 27. August 1938 wurde diesem dieser Übelstand mitgeteilt. In diesem Brief bat der Wehrführer die Gemeinde, dass die „Bodendecke mit festerem Material erneuert werden sollte, damit nicht bei jeder Windbewegung der dort liegende Flugsand unter den Türen durchgelangen kann und die Verstaubung der Geräte zu Folge hat”. Josef Schickinger, Zimmermeister, erhält am 6. Juli 1943 den Auftrag die Tore dringend zu reparieren- da die Gefahr besteht, dass diese bei zu schnellem Öffnen zusammenbrechen. 1944 lautet die Örtlichkeit: Hauptgerätehaus in der Hans-Ludin-Straße, wenige Tage nach Kriegsende wird die Straße umbenannt in Kriegstraße. Im Oktober setzt sich pazifistischeres Denken durch, sie wird zur Friedenstraße, in den fünfziger Jahren wird sie umbenannt in Franz-Rauch-Straße. Vier Namen in

weniger als zwanzig Jahren! Der Kommandant (noch im Amt) wendet sich schriftlich am 15. Juni 1945 an den Bürgermeister: Betr.: Gerätehaus-Dach.Das Dach des Feuerwehr-Gerätehauses ist an verschiedenen Stellen durch Bordwaffen-Beschuss oder Sprengstücker durchlöchert worden. Ich bitte die Instandsetzung zu veranlassen. Das Kommando Hillert Oberbrandmeister (hat wieder den alten Dienstgrad angenommen) Am 14. April 1964 nimmt der Kommandant Walter im Rahmen einer „Darstellung der Feuerlöscheinrichtung” an das Landratsamt Bühl zum Gerätehaus wie folgt Stellung:

Gerätehaus: ja, schlecht

Geräteraum: nein

Schlauchturm: ja, schlecht

Trockenschrank: nein

Funkanlage in allen Fragen - keine vorhanden

„Da das Gerätehaus in sehr schlechtem Zustand und der Trockenturm viel zu niedrig ist, soll in diesem Jahr ein Feuerwehrhaus erstellt werden”. Dieses Schreiben trägt auch die Unterschrift des Bürgermeisters Zoller. Es sollten danach noch vier weitere Jahre vergehen, bis das neue Gerätehaus bezogen werden konnte.

 

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