Enstehung der Löschgruppen

Und es begann in Müllhofen!

Mit der Gründung der Löschgruppe Müllhofen am 02. Juni 1961 wurde ein neuer Abschnitt in der Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr Sinzheim insbesondere aber für die einzelnen Ortschaften begonnen. Erstmals entstand in einem der Sinzheimer Filialorten ein, von seinen Bewohnern, auf freiwilliger Basis organisierter, und auf den entsprechenden rechtlichen Grundlagen beruhender Brandschutz. Zwölf Männer entschlossen sich der Freiwilligen Feuerwehr Sinzheim beizutreten. Richard Peter wurde der erste Gruppenführer in Müllhofen. Ihm zur Seite stand in der Anfangszeit Friedrich Rudolphi als Ausbilder. Bald zeigte sich, dass die Ausbildung einer neu entstehenden Gruppe in die Hände eines jüngeren Gruppenführers gelegt werden muss. Fridolin Eble von der Wehr in Sinzheim führte die Ausbildung in Müllhofen zum Erfolg. Geübt wurde Sonntags morgens mit dem Tragkraftspritzenanhänger der Sinzheimer Wehr. Dieser wurde von Franz Lorenz mit dem damaligen Löschgruppenfahrzeug nach Müllhofen und zurück transportiert. Bis Januar 1964 mussten die Müllhofener Feuerwehrmänner warten, bis sie ihren eigenen Tragkraftspritzenanhänger mit der Spritze und den entsprechenden Geräten erhielten.

Bei dem in Schwarzach am 2. u. 3. Juli 1966 stattgefundenen Kreisfeuerwehrtag trat erstmals eine Gruppe von Müllhofener Feuwehrmänner in einer Leistungsübung an. Als Lohn gab es die Trageberechtigung für das Badische Feuerwehrleistungsabzeichen in Bronze. 1984 nahm eine weitere Gruppe aus Müllhofen mit dem damaligen Gruppenführer Erwin Winkler an der Leistungsübung in Bronze mit Erfolg teil- allerdings nicht mehr mit dem Anhänger, sondern mit dem Tragkraftspritzenfahrzeug aus Sinzheim. Ein Jahr später erhielten die Müllhofener Feuerwehrmänner ein neues genormtes Feuerwehrfahrzeug – ein Tragkraftspritzenfahrzeug. Dass es dazu kam, wurde von den Müllhofener Kameraden auf unfreiwillige, wie auch ungewöhnliche Art selbst ausgelöst. Bei der am 12. November 1983 stattgefundenen Spätjahrsübung benutzten Feuerwehrkameraden aus Müllhofen den freien Platz auf dem Anhänger, um darauf mitzufahren. Gezogen wurde der Anhänger dabei von einem ebenfalls antiquierten Traktor mit offen liegendem Schwungrad. Die beiden externen Übungsbeobachter Kreisbrandmeister Oskar Stahlberger und der Kommandant der Werksfeuerwehr Stierlen-Maquet Rudi Böhnerts verharrten erst mal in Schweigen, beim Herannahen des exotischen Gespanns. Dies nicht wegen der Fahrzeuge, sondern angesichts der Beförderung von Einsatzpersonal. Treffend formuliert ähnelte dies nicht einem Feuerwehrfahrzeug sondern – einem Zirkuswagen. Die Weihe dieses Fahrzeuges in den letzten Julitagen 1985, verbunden mit einem zweitägigen Fest, war der bisherige Glanzpunkt dieser Gruppe. Bei der Fahrzeugübergabe bzw. deren Weihe galt noch Mannschaft –inzwischen sind in Müllhofen schon über ein Jahrzehnt zwei Frauen aktiv sowohl im Übungs- wie auch Einsatzdienst. Zwei größere Gebäudebrände in Müllhofen im Jahre 2004 und 2005 haben die Bedeutung und den Wert diese Löschgruppe hervorgehoben.

 

 

Schiftung

Eine Woche später am 09. Juni 1961 wurde das Gründungswerk am westlichsten und auch am entferntesten Filialort fortgeführt.Walter Ziegler wurde der erste Gruppenführer in Schiftung, er vertrat seinen Ort später über viele Jahre auch im Gemeinderat. Unter seiner Führung machten die 10 Schiftunger Feuerwehrmänner bald auf sich aufmerksam. Adolf Peter ein verdienter Feuerwehrmann, langjähriger Gruppenführer und Stellvertreter des Kommandanten Lorenz war in den Jahren 1961 und 1962 als Ausbilder dieser Feuerwehrlöschgruppe tätig. Mit ihrem Tragkraftspritzenanhänger, der am 17. Januar 1962 übergeben wurde und der darin befindlichen Tragkraftspritze, wurden mehrere Leistungsübungenerfolgreich durchgeführt. 1964 bei den Leistungsübungen in der Gemeinde Lauf wurde der 1. Platz in ihrer Leistungsstufe- Bronze - errungen. Bei den Leistungsübungen am 2. Juli 1966 in Schwarzach erwarb die Gruppe mit ihrem Gruppenführer Walter Ziegler, als erste Löschgruppe eines Filialorts, das Leistungsabzeichen des Badischen Landesfeuerwehrverbandes in Silber. Ein Pokal des Kreisfeuerwehrverbandes Bühl bewahren die Schiftunger Kameraden heute noch stolz in der Vereinsvitrine der dortigen Vereine auf. Wie Gemeindevermögen bewahrt werden kann, verdeutlicht sich darin, dass die Feuerwehrleute von Schiftung ihre 1963 beschaffte Tragkraftspritze heute noch im Einsatz haben. 1985 wurde der „antik“ anmutende Tragkraftspritzenanhänger durch ein zeitgemäßes Fahrzeug ersetzt. 1978 übergab Walter Ziegler nach 17 Jahren aus Altersgründen die örtliche Feuerwehrführung in jüngere Hände. Klaus Reeg führte die Löschgruppe bis zu seinem Wohnortwechsel 1984 erfolgreich weiter. Ihm folgten die Brüder Wilfried Ernst bis 1996 und danach sein Bruder Bruno Ernst bis 1999 als Gruppenführer nach. 1999 übernahm Siegfried Hoyer die Gruppe. Mit ihm begann auch eine neue Zeit der Zusammenarbeit mit der Nachbarortschaft Leiberstung und ihrem Löschzug. Diese beiden Ortschaften sind räumlich sehr nahe und können sich gemeinsam hervorragend ergänzen. Dies gewinnt an besonderer Bedeutung, da sich die Anfahrzeit (Rettungszeit) von Sinzheim mit Großfahrzeugen, durch die Undurchlässigkeit der Unterführung in der Halberstunger Straße deutlich verlängert hat. Siegfried Hoyer hat 2006 eine bemerkenswerte Leistung innerhalb unserer Feuerwehr erbracht – er ist seit 1964 der fünfte Gruppenführer, der Löschgruppen unserer Feuerwehr zum Erwerb des Leistungsabzeichen Gold mit Erfolg geführt hat. Dies mit neuen, modernisierten, Richtlinien, die vorgestellt wurden, als die Mannschaft schon mit den Vorbereitungen begann. Bemerkenswerte Brände in Schiftung mit Beteiligung der Sinzheimer Feuerwehr gab es:

09. Mai 1890: beim Brand des Anwesen Gushurst Wendelin Wwe

22. April 1904: beim Brand des Anwesen Franz Frietsch

10. Juli 1942: beim Brand des Anwesen Lorenz Bernhard

16. Januar 1943: beim Brand des Anwesen Lorenz Franz

27. August 1969: beim Brand des Anwesen Goldbach Maria

(keine Vollständigkeit)

Darüber hinaus gab es auch in jüngerer Zeit kleinere Brandeinsätze und mehrere Verkehrsunfälle, auf der erst in jüngster Zeit verkehrsgerecht ausgebauten Zufahrtsstraße. Zu den in diesen Wochen erfolgten Gründungen von Löschgruppen gibt es noch ein Schreiben des Kommandanten an den Gemeinderat bzw. an die Gemeindeverwaltung vom 21. Juni 1961 „Betr. Alte Handdruckspritzen im Hauptort und den Filialen Schiftung und Müllhofen“. Durch die Anschaffung des neuen Löschfahrtzeuges ist die alte Handdruckspritze im Hauptort entbehrlich geworden. Ebenso wird in Müllhofen und Schiftung in nächster Zeit nach Aufstellung und Ausrüstung der dort vorgesehenen Löschgruppen je eine alte Handdruckspritze entbehrlich. Eine Altwaren-Firma hat für die drei Handruckspritzen zusammen 300.- DM geboten. Wohin die ersten beiden Pumpen kamen, wissen wir nicht – die Schiftunger Pumpe wurde an den damaligen Gruppenführer zum Preis von 50 DM verkauft. Gemeinderatsprotokoll vom 13.11.63 Blatt 720/13

Die nächste Löschgruppe entsteht in Halberstung!

1964 gründeten neun Mann die Löschgruppe Halberstung. Martin Ernst war der erste Gruppenführer in Halberstung – er war auch der Gruppenführer, der seine Gruppe am längsten führte, bis er 1988 aus Altersgründen die Gruppe an seinen ältesten Sohn Wolfgang übergab. Hier hat sich der Beginn einer familiären Tradition gebildet. Sein ältester Sohn Wolfgang leitete danach die Gruppe der Halberstunger Floriansjünger, bis er und seine Familie ihr neu erbautes Haus in Sinzheim bezogen. Dessen Nachfolger wurde – sein jüngerer Bruder Horst! Die Ausbildung der Löschgruppe lag 1964 in den bewährten Händen des Gruppenführers Erich Huck aus Sinzheim. 1966 erwarb die Gruppe das bronze Leistungsabzeichen des Badischen Landesfeuerwehrverbandes bei der in Schwarzach stattgefundenen Leistungsübung. Auch hier gehörte ein Tragkraftspritzenanhänger zur Ausstattung der Löschgruppe. Die Pumpe, mit ihren 42 Jahren erlebter Feuerwehrgeschichte, ist heute noch im Einsatz.Wie lange wissen wir nicht- Ersatzteile sind keine mehr erhältlich. Auch hier trat das Problem wie in Schiftung auf, dass Ende der siebziger Jahre immer weniger (geeignete) Traktoren zur Verfügung standen und der Anhänger mit viel Puste und Hauruck transportiert werden musste. Unvermeidbar war hierbei auch der Hohn und Spott von Außenstehenden. Nach dem Anhänger erfolgte ein Novum in der Feuerwehrfahrzeuggeschichte. Die Halberstunger Kameraden bauten sich in mühevoller Arbeit – 713 Stunden Arbeitsstunden – ein Feuerwehrfahrzeug selbst. Ein ehemaliges Metzgereifahrzeug ein FIAT Typ 238 B 1 wurde in mühevoller Arbeit zum Tragkraftspritzenfahrzeug umgebaut. Vor dem Umbau musste noch ein umfangreicher Schriftverkehr mit FIAT Deutschland AG durchgeführt werden, um eine Unbedenklichkeitsbescheinigung zu erhalten, die ein Gesamtgewicht von 2500 kg zuließ.

Dies waren gesetzliche Vorgaben für diesen Fahrzeugtyp, die erfüllt werden mussten. Der eigentliche Umbau unter der fachkundigen Leitung des Kraftfahrzeugmechanikers Horst Ernst zog sich rund ein Jahr hin. 1981 erfolgte dann zur Freude aller Beteiligten die Fahrzeugweihe. In dem hervorragenden Buch/Bildband von Klaus Fischer (siehe Quellennachweise) wird dieses Fahrzeug als, das wohl einzigste Feuerwehrfahrzeug dieser Baureihe, aufgeführt. Es ist damit das bisher einzigste Feuerwehrfahrzeug der Feuerwehr Sinzheim das Einzug in die entsprechende Fachliteratur hielt. Nachdem der Technische Überwachungsverein die Scheidung der Halberstunger Feuerwehrkameraden und ihres Fahrzeuges 1992 beschloss, da am Fahrgestell der „Zahn der Zeit zu sehr genagt hatte“ standen die Halberstunger wieder ohne fahrbaren Untersatz da. Da zu dieser Zeit das „alte Leiberstunger Fahrzeug“ durch ein modernes Löschgruppenfahrzeug 8/6 ersetzt wurde, ging dieses Fahrzeug an die Halberstunger Kameraden. Dieser antiquierte Untersatz befindet sich zurzeit noch im Übungs- und Einsatzdienst der Halberstunger Kameraden. Allerdings und erfreulicherweise mit Verfallsdatum – im Jahr 2007, rechtzeitig zum Jubiläum der Sinzheimer Feuerwehr, erhält die Löschgruppe ein neues und zeitgemäßes Tragkraftspritzenfahrzeug. Seit ihrer Gründung war die Löschgruppe Halberstung bei dutzenden von Einsätzen beteiligt. Spektakulär waren die Einsätze vor der „Haustüre:“

· Explosion der GVS Ferngasleitung 1971

· Großbrand des Bauernhofes des Orden St. Vincenz

· Brand des Späneturmes der Schreinerei Greulich

· Blitzeinschlag Lindenstraße

· Hochwassereinsätze Mai 1978

· Orkan Lothar 26.12.1999

· Hochwassereinsätze 2000/2001

Bemerkens – wie auch lobenswert ist, dass die Kameraden in Halberstung das Erbe ihrer Vorgänger bewahrt haben. Insbesondere dem verstorbenen Gruppenführer Brandmeister Martin Ernst, gehört der Verdienst, dass die Feuerwehr Sinzheim heute über eine fahrbare Handdruckspritze verfügt. Nachdem auch in Halberstung kein Unterstellplatz mehr zu finden war, wurde die rund eine Tonne schwere vierrädrige Spritze 1992, nach mehreren Zwischenstationen, auf der Empore im Sinzheimer Gerätehaus untergebracht. Von den einst sieben Handdruckspritzen ist nur diese erhalten geblieben, von einer weiteren sind nur Fragmente über die Zeit gekommen. Sie ist neben der in Leiberstung befindlichen Blersch-Pumpe eine der wenigen historischen Stücke, über die, die Feuerwehr Sinzheim verfügt.

 

 

Der Kreis schließt sich die Löschgruppe Winden entsteht

Im Frühjahr 1967 gründeten 15 Männer in Winden die dortige Löschgruppe. Vorausgegangen war ein Brand im Anwesen Josef Grund in Winden Haus Nummer 45 am 09. Mai 1966, sowie die Bemühungen des damaligen Gemeinderates von Winden Franz Lauther. Dieses Brandereignis hatte einen ausgedehnten Schriftverkehr (Juni/Juli 1966) des Bürgermeisters mit der Badischen Gebäudeversicherungsanstalt ausgelöst. Aus diesem können wir entnehmen, dass in diesen Tagen (Juli 1966) bereits eine Versammlung mit ca. 50 Personen stattfand, wobei sich jetzt Personen gefunden haben, die einen Löschtrupp bilden werden und deren Ausbildung und die Beschaffung der notwendigen Löschgeräte jetzt zum Tragen kommen wird. Bereits ein Jahr zuvor, wurden von der freiwilligen Feuerwehr Bemühungen unternommen, dort eine Gruppe zu gründen, jedoch konnten die hierfür erforderlichen frei willigen Helfer im Rahmen der freiwilligen Feuerwehr nicht gefunden werden. Dies teilte Bürgermeister Zoller so auch der Gebäudeversicherung mit. Franz Lauther nahm jede sich bietende Gelegenheit wahr, um sich für die Gründung einer Löschgruppe Winden, innerhalb der Freiwilligen Feuerwehr Sinzheim, einzusetzen. Gebhard Huck, damals Gruppenführer, übernahm die Ausbildung der Windener Feuerwehrmänner. Der 21. Januar 1968 war ein besonderes Ereignis für diese Männer, wie auch für die Einwohner dieses Filialortes. Zuvor hatte der Gemeinderat Sinzheim die Bereitschaft der Windener honoriert, indem er die finanziellen Mittel für die Ausrüstung dieser Gruppe zur Verfügung stellte. An diesem Tage wurde der Gruppe ein Tragkraftspritzenfahrzeug - voll bestückt - auf VWFahrgestell übergeben. In einem kleinen Festzug wurde das Fahrzeug mit dem Spielmanns- und Fanfarenzug der Feuerwehr Sinzheim am Ortseingang abgeholt.

Einem sinnvollen Gedanke entsprang, dass man die alte Windener Spritze aus dem Jahre 1870 mit Pferdebespannung dem neuen Fahrzeug folgen ließ. Kommandant Walter bedankte sich bei seiner Ansprache auf dem Schulhof bei Bürgermeister Zoller und dem Gemeinderat. Ein besonderer Dank ging an den Gemeinderat Lauther, dem Gruppenführer Gebhard Huck für seine Ausbildungstätigkeit sowie den Männern, die in vielen Arbeitsstunden die Unterbringung dieses Fahrzeug ermöglicht hatten. Auf Grund der topografischen Lage hatte man für Winden keinen Tragkraftspritzenanhänger vorgesehen, eine Entscheidung die richtig war. Nachdem die Löschgruppe gebildet war, wurde diese lange Jahre von Gruppenführer Oberlehrer Josef Huck geleitet.

Die Gruppe nahm danach mehrmals mit Erfolg an Leistungsübungen innerhalb des Landkreises Bühl teil und erwarb damit die Trageberechtigung für das Feuerwehrleistungsabzeichen in Bronze und Silber.

In der Mitte der achtziger Jahre musste der VWTransporter durch das Tragkraftspritzenfahrzeug aus

Sinzheim ersetzt werden. Die Bestückung, wie auch die Tragkraftspritze, wurden aus dem Vorgängerfahrzeug übernommen. Jetzt war es den Windener Feuerwehrmännern auch möglich ausreichend Personal mitzunehmen. Der VW-Transporter bot nur Platz für drei Mann. Ein weiterer wichtiger Termin war die Inbetriebnahme einer neuen und modernen Tragkraftspritze für die Gruppe im Jahr 2003. 2007 hat sich eine Gegebenheit für die Windener Feuerwehrmänner (noch fehlte das weibliche Element) wiederholt: Sie erhielten ein neues und zeitgemäßes Tragkraftspritzenfahrzeug, das noch rechtzeitig zum 125-jährigen Jubiläum der Feuerwehr Sinzheim eingetroffen ist.

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